Review: Lies Sleeping

Jahrelang war ich die Fantasyleserin in unserer Filiale. Ich betreute den Bereich, bestellte die Titel und war wohl die einzige, die die verschiedenen Handlungsstränge von Terry Pratchetts Scheibenweltromanen auseinanderdröseln konnte…
Das ist nun schon einige Zeit her und mittlerweile lese ich so gut wie gar keine Fantasy mehr. Ich bin da inzwischen einfach zu übersättigt.
Ein Autor, von dem ich jedoch immer noch jedes neue Buch lese und der selbst Kollegen von mir begeistern konnte, die mit Fantasy sonst wenig bis gar nichts am Hut haben, ist Ben Aaronovitch.

Mit seiner „Flüsse von London“-Reihe um Peter Grant, einen Polizisten mit magischen Fähigkeiten, vereint er britischen Humor, Krimi und wirklich gute Fantasy. Eine Mischung, der man eigentlich nicht wiederstehen kann, oder?

„Lies Sleeping“ („Die Glocke von Whitechapel“) ist der mittlerweile siebte Roman der Reihe, die zudem noch mehrere Graphic Novels und zwei Novellen umfasst.
Leider macht es wenig Sinn, mitten in der Reihe einzusteigen und besonders bei diesem neuen Band ist Vorwissen vonnöten. Schließlich scheint der Erzfeind endlich greifbar nahe…

Für alle, die die „Flüssen von London“-Reihe noch nicht kennen: es geht um Peter, einen wirklich schlechten Polizisten, wenn es darum geht, Straßendieben nachzujagen, der allerdings einen siebten Sinn für Übernatürliches besitzt.
Also wird er kurzerhand Inspector Nightingale unterstellt, der bis dahin Ein-Mann-Abteilung für alles, was die Londoner Polizei „crazy shit“ nennt; denn Vampire, Feen, Magie… all das gibt es wirklich, auch wenn alles nur denkbare unternommen wird, das vor der Bevölkerung zu verbergen.
Nach und nach lernt Peter, Magie zu nutzen und nein: es ist nicht so einfach und cool, wie in den Filmen. Es bedarf viel Übung, Ausdauer und ist potenziell gefährlich.

Während die ersten ein, zwei Bände noch ein bißchen flach waren, was die Charaktere anging (Peter starrte damals noch jeder Frau auf den Hintern, was viele Leser verprellte), ermittelt da mittlerweile wohl das diverseste Krimi-Team an Peters Seite und das macht ungeheuren Spaß beim Lesen, genauso wie die zahlreichen Anspielungen auf Harry Potter und Herr der Ringe.

Ich kann die „Flüsse von London“-Reihe jedenfalls nur wärmstens empfehlen, auch wenn man sonst kaum Krimis liest, oder glaubt, schon alles gelesen zu haben, was die Fantasy zu bieten hat.
Die Frage ist wirklich, wann das Ganze endlich mal verfilmt wird…

Deutscher Titel: Die Glocke von Whitechapel

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

15 Kommentare zu „Review: Lies Sleeping“

    1. Ich kann absolut nachvollziehen, wenn Leute sagen: „Das ist nicht mein Humor, mein Genre, etc…“
      Wo ich aber eben immer die Lanze brechen muss ist, daß die Bücher wie gesagt am Anfang nicht wirklich das waren, was man heute wohl woke nennt.
      Und das hat sich im Lauf der Reihe wirklich stark verbessert und für mich ist es eben besonders das Team hinter Peter, das für mich den Reiz der Reihe ausmacht.

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      1. Engeland ist mein Land, ich habe dort einige Jahre gearbeitet…
        Habe früher viel Phantasie und Zukunft gelesen, wie z.B. Perry Rhodan oder auch viele Bücher mit Hexen usw…
        Lieben Gruß, Ewald

        Gefällt 1 Person

  1. Prinzipiell ist es mein Genre, aber ich bin im dritten Buch ausgestiegen. Das erste Buch fand ich sehr gut, den nächsten fehlte es meiner Meinung nach an zündenden Ideen

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  2. Ha! Ja, Peter Grant hat mittlerweile ja eine richtig grosse Fangemeinde. Ich mag Krimis -und zwar am liebsten recht klassisch, also war ich da schon richtig. Dann kam das Mystische dazu, endlich nicht in Form von irgendwelchen spitzohrigen oder superbegabten Überwesen, sondern als würden sie erst mal gar nicht so auffallen unter uns. Und Peter, Durchschnittlich und doch genau richtig, mit seinen Stärken und Schwächen. Ach und ich war von Anfang an Fan von Nightingale 😎 Und ich mag diese klassische, eher ruhige Art des Erzählens, wie langsam ein Spannungsbogen aufgebaut wird. Manchmal gibt es Romane, die mir etwas zu ruhig waren, wo ich etwas Zeit bräuchte und zum neuen bin ich leider auch noch nicht gekommen. Komischerweise fand ich die ersten 2 Krimis gar nicht so schwach, denn Peter ist wirklich noch genau so unerfahren, wie der Leser. Aber die viele Feinheiten, Ideen, (man merkt das Angebot. für Doctor Who geschrieben hat) Humor, Entwicklung der Charakter!
    So, genug geschwärmt
    Liebe Grüße
    Nina

    Gefällt 2 Personen

    1. Uh… Ich bin gespannt, wie du den neuen findest! Der war wieder richtig gut finde ich.
      Die nächste Novelle „October Man“ liegt auch schon auf dem Lesestapel und im Oktober kommt Mr Aaronovitch sogar in den Laden, wenn alles klappt!
      Ich fand die ersten Romane nicht mal schwach. Peters etwas testosterongesteuertes Verhalten wurde aber tatsächlich von vielen Lesern kritisiert, deshalb habe ich das auch nochmal angesprochen und die Entwicklung der Reihe wirklich loben müssen. Wo sonst hat mein eine hijabtragende Ninja Polzistin? 😍
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Andrea

      Gefällt 1 Person

  3. „Die Flüsse von London“-Reihe ist eine von denen, bei denen ich mich nach wie vor frage, was mit mir nicht stimmt, denn ich persönlich konnte Aaronovitchs Mischung nach Teil 1 sehr gut widerstehen. Irgendwie sprang der Funke nicht über, was weniger daran gelegen hätte, dass der Protagonist Frauenhintern anstarrt – was mir weder aufgefallen ist, noch sauer aufgestoßen wäre -, sondern weil ich mich angesichts des Handlungsstrangs um die Flüsse nach wie vor frage: „Was, zum Geier, soll das!?“ 🙂

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