Review: Goldschatz

Ein bißchen erschrocken war ich ja schon, als ich feststellte, daß es an die zwanzig Jahre her ist, seit ich zuletzt etwas von Ingrid Noll gelesen habe!
Als Teenager hatte ich „Die Häupter meiner Lieben“ und „Kalt ist der Abendhauch“ gelesen, danach allerdings nichts mehr und das, obwohl ich die beiden Bücher stets in guter Erinnerung hatte; es hat sich einfach nicht ergeben.

Derzeit bin ich allerdings sehr nostalgisch und als ich „Goldschatz“ sah, dachte ich: Warum nicht Ingrid Nolls neustes Buch lesen, um zu sehen, wie sich mein Geschmack und ihr Stil in den letzten zwanzig Jahren so entwickelt haben?

Als Trixis Großtante Emma stirbt, erbt ihre Mutter das kleine marode Bauernhaus, in dem die Tante bis zu ihrem Tod gelebt hat. Viel damit anfangen kann Trixis Mutter allerdings nicht, denn eine teure Sanierung macht keinen Sinn mehr.
Doch Trixi hat sofort eine Idee: sie überredet ihre Mutter ihr das Haus zu überlassen, um dort eine Studenten-WG mit ein paar Freunden zu gründen.
Geld wollen die Eltern auf keinen Fall in das abbruchreife Haus stecken, aber solange sich Trixi darum kümmert die Bude zu entrümpeln, spricht für sie nichts dagegen.

Gemeinsam mit ihrem Freund Henry und ihrer besten Freundin Saskia zieht Trixi also in das Bauernhäuschen und bald darauf kommen noch die gemeinsamen Freunde Oliver und Martina dazu.
Die Stimmung ist zunächst gut. Henry ist ohnehin ein Verfechter einer einfachen Lebensweise ohne Konsumwahn. Und so nennt sich die kleine Gruppe „Gegenstrom“ und beschließt, möglichst umweltfreundlich zu leben und Obst und Gemüse selbst anzubauen.

Als sie beginnen, die Scheune auszuräumen, machen Trixi und Saskia eine Entdeckung, mit der sie nicht gerechnet haben: in einer alten Milchkanne steckt ein Lederbeutel voller Goldmünzen!
Doch so überraschend dieser Fund ist, so schnell ist er auch wieder fort. Offenbar hat ihn sich der alte Nachbar Gerhard Gläser in einem unbeobachteten Moment unter den Nagel gerissen und behauptet nun, daß es sich bei dem Goldschatz um sein Eigentum handelt. Trixi und Saskia verschweigen den Schatz zunächst vor ihren Mitbewohnern. Besonders, weil sie mit jeweils einem Taler abgespeist wurden, die sie sofort verkauft und beim anschließenden Shopping ausgegeben haben. Soviel zum Thema Konsumverzicht…

Doch Trixi und Saskia wollen den Schatz nicht so schnell verloren geben, besonders als klar wird, daß die Freunde wirklich viel Geld in das Häuschen stecken müssen, um im Winter nicht der Kälte wegen wieder ausziehen zu müssen, und so beginnen die Mädchen, Gerhard Gläser zu schmeicheln, zu erschrecken, auszutricksen und in sein Haus einzusteigen, um an mehr Münzen aus dem Schatz zu gelangen.

Doch ein Großteil der Taler bleibt verschwunden, aber dafür taucht beim Umgraben der Gemüsebeete ein menschliches Skelett auf…

„Goldschatz“ hat mich gut unterhalten und auch wirklich sehr an die Zeit damals erinnert, in der ich Ingrid Noll zum ersten Mal las. Allerdings wollte sich bei mir keine rechte Spannung einstellen.
„Die Häupter meiner Lieben“ mochte ich wegen der gewissen Leichtigkeit, mit der da eher aus Versehen gemordet wurde, und ja, mir ist bewusst, daß Leichtigkeit in diesem Zusammenhang wohl das falsche Wort ist, aber so fühlte es sich seinerzeit an.
„Goldschatz“ lässt diese Leichtigkeit vermissen und auch mit dem Stil habe ich ein wenig gehadert. Da die Protagonisten fast allesamt junge Studenten Anfang zwanzig sind, fallen immer wieder Begriffe oder Sätze in Jugendsprache, nur um dann gleich darauf wieder in eine zum Teil recht gestelzt wirkende Ausdrucksweise zu verfallen. So richtig „rund“ hörte es sich deshalb nicht an.

Insgesamt fand ich „Goldschatz“ ein wirklich nettes, leichtes Buch, das man gut im Urlaub lesen kann, ganz oben auf die Empfehlungsliste könnte ich es allerdings nicht setzen.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

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