Review: Geisternächte

In kalten Winternächten, wenn es draußen früh dunkel wird, stürmt und schneit, dann ist immer eine gute Zeit, um düstere, spannende und märchenhafte Bücher zu lesen.
„Geisternächte“ von André Mumot ist ein Buch, das all diese Zutaten vereint…

Kathi Bechstein ist eine recht erfolglose Schauspielerin aus Berlin. Ihre Brötchen verdient sie als spiritistisches Medium, das Kontakt mit den Seelen von Verstorbenen herstellt. Dabei kommt ihr ihre Schauspielausbildung zugute, denn auch wenn ihre Kunden ihr voll und ganz vertrauen: einen echten Geist hat Kathi noch nie gesehen.

Als ihr Bruder Jakob von homophoben Schlägern ins Koma geprügelt wird, bricht für sie eine Welt zusammen. Kathi zieht sich zurück und weigert sich, Seancen durchzuführen, bis eines Tages die zehnjährige Sophie vor ihrer Türe steht.
Sophies Bruder Finn wurde vor kurzem ermordet und nun hat sie das Gefühl, daß es etwas gibt, das er ihr unbedingt sagen will.
Kathi versucht zwar Sophie abzuwimmeln, aber das Geld ist knapp und irgendetwas hat dieses altkluge Mädchen mit dem Glasauge an sich, das es Kathi schwer macht, ihren Wunsch auszuschlagen…

Bald darauf begreift Kathi, daß ihr Bruder nicht zufällig zusammengeschlagen wurde. Zusammen mit seinem Freund Kenan findet sie heraus, daß Jakob rechtskonservative Politiker erpresst hat.
Ein Mann, auf den es Jakob besonders abgesehen hatte, ist der Schriftsteller Arvid Schönfeld. Als vielseitig informierter Gelehrter geachtet, ist Schönfeld in den letzten Jahren immer öfter durch Aussagen aufgefallen, die Rechtsextremen in die Hände spielen. Dabei schafft er es jedoch stets, charmant zu argumentieren und so hat er eine große Fangemeinde in breiten Teilen der Bevölkerung.

Hatte Jakob wirklich etwas gegen Schönfeld in der Hand und wenn ja, hat dieser den Angriff auf Jakob in Auftrag gegeben?
Kathi und Kenan wollen versuchen, das herauszufinden und ahnen nicht, was sie damit in Bewegung setzen…

Zur gleichen Zeit versucht auch Sophie ein Geheimnis zu lüften, denn seit der Seance bei Kathi ist es ihr möglich, den Geist ihres Bruders zu sehen, der ruhelos durch die Wohnung streift und nach irgendetwas sucht…

Ihr merkt vielleicht schon: „Geisternächte“ ist ein vielschichtiges Buch, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Es ist ein spannender Thriller, eine märchenhafte Geistergeschichte und gesellschaftskritische Gegenwartsliteratur.
Dabei ist aber alles so dicht miteinander verwoben, daß man nie das Gefühl hat, die unterschiedlichen Themen würden die Geschichte überlasten.

Der Wechsel zwischen der Geistergeschichte und dem Thriller, in dem die Menschen von ihren eigenen Geistern gejagt werden, hat für mich ausgezeichnet funktioniert und an dieser Stelle muss auch gesagt sein: dieser André Mumot kann wirklich verdammt gut schreiben.
Schon beim ersten Kapitel hatte ich das Gefühl, plötzlich selbst in die Geschichte hineingerutscht zu sein. Die Figuren, die Umgebung, das Wetter und die Geräusche… alles hatte ich sofort so bildhaft vor Augen als würde ich daneben stehen. Das schaffen nicht viele Autoren!

Wenn Ihr also Lust auf ausgezeichnet geschriebene, genreübergreifende Literatur mit Thrillercharakter und Elementen des magischen Realismus habt, dann ist „Geisternächte“ das perfekte Buch für Euch!

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

7 Kommentare zu „Review: Geisternächte“

  1. Komisch, ich dachte sofort, dass könnte was für Dich sein. Seancen, Krimi, … und ich finde ja, Krimis funktionieren besonders gut mit Gesellschaftskritik. Ich halte meine Augen offen.
    Liebe Grüsse und schönes Wochenende
    Nina

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