Review: Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung

Morgen ist schon wieder der letzte Adventssamstag und wenn ihr bis jetzt noch keine Geschenke habt, ist dies nun der perfekte Augenblick, um in Panik zu verfallen. 😉
Für uns Buchhändler ist dies die anstrengendste, aber auch wichtigste Zeit des Jahres. Ein betriebswirtschaftlicher Himmel und eine logistische Hölle…
Man muss es erlebt haben, um es zu verstehen, oder vielleicht einfach das schöne Büchlein „Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung“ von Petra Hartlieb zur Hand nehmen.

Vor fünfzehn Jahren kauften sie und ihr Mann ganz überraschend eine kleine Traditionsbuchhandlung in Wien. Seitdem ist Petra Hartlieb Buchhändlerin mit Leib und Seele und macht ihren Laden immer wieder zum Mittelpunkt ihrer Bücher, sei es nun in den beiden Bänden zur „wundervollen Buchhandlung“, oder in ihren historischen Romanen.

In ihrem neuen Buch beschreibt sie das Leben eines Buchhändlers im Dezember. Das Kind kann nicht mehr richtig versorgt werden, die Wohnung über dem Laden verwandelt sich in einen Lagerraum und wenn Freunde, die ganz offensichtlich keine Ahnung haben, was es bedeutet im Weihnachtsgeschäft Buchhändler zu sein, darauf bestehen, daß man sie besucht, schläft man auch gerne mal über dem Essen ein…

Dabei passiert aber auch immer viel lustiges, unerwartetes und skurriles.
Besonders schön fand ich Petra Hartliebs Geschichten von Kunden, die im Lauf der Zeit zu Freunden wurden, und ihre Buchhändler tatkräftig unterstützen. Sei es nun durch das Mitbringen von Grillhendl, Einladungen an die vernachlässigte Tochter oder in dem der Arzt einen Hausbesuch macht, um seinen kranken Buchhändlern Infusionen zu legen, damit sie am nächsten Tag wieder fit im Laden stehen können…

Ich war fast ein bißchen neidisch, daß ich in einer großen Buchhandlung arbeite, in der die Logistik dann doch etwas runder läuft und niemand die ganze Nacht über Bücher auspacken muss, wenn man liest, wie rührend sich Petra Hartliebs Stammkunden um sie und ihr Team kümmern.

Als Buchhändlerin erkenne ich vieles wieder und kann Kapitelüberschriften wie „Lass mich einfach hier sitzen und sterben“ nur emphatisch nickend zustimmen.
Wer sich denkt, daß wir da vielleicht ein bißchen übertreiben, der lese dieses wunderbare Buch, das kein Blatt vor den Mund nimmt und trotzdem humorvoll wie herzerwärmend ist. Am Ende wird man eine größere Wertschätzung für den Einzelhandel im allgemeinen und den Buchhandel im besonderen haben.

Also ihr Lieben, wenn ihr heute und morgen panisch in die Läden einfallt: seid lieb zu euren Verkäufern und Buchhändlern. Das brauchen sie dieser Tage ganz besonders… ❤

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

16 Kommentare zu „Review: Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung“

    1. Das glaub ich, daß du ein Lieber bist!
      Ich versuche auch immer für meine Kunden gut drauf zu sein, aber manchmal lassen sie so viel Frust ab, daß sich das dann gerne mal aufschaukelt. Dann braucht es wieder jemanden, der auch eine motzige Verkäuferin lieb anlächelt, daß man wieder gut drauf ist. 😉
      Ich wünsch dir eine schöne und geruhsame Zeit! Genies die Feiertage!

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  1. Ja. Es gab noch eine Zeit vor Amazon und eBooks und viel weniger Medien. Was glaubt ihr wohl wie es da in einer kleinen Buchhandlung rund ging. Ernsthaft, ich war zB zu langsam beim Einpacken, „wenn das nicht bald schneller ginge, müsse mich das daheim üben“ hieß es. Wir hatten super wenig Platz noch dazu! Und gekauft wurde ab dem 4. Samstag so ungefähr alles… Das waren noch Zeiten 🙂 Tschuldigung. Nein, jedes Weihnachtsfest war immer wieder eine Herausforderung! Und ich zieh den Hut vor allem den vielen Leuten, die das durchstehen.
    Dir weiterhin gute Nerven und Konstitution!
    Liebe Grüße
    Nina

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    1. Dankeschön…
      Na, morgen noch und dann kehrt wieder ein bißchen Ruhe ein.
      Morgen wird dann nochmal spaßig, wenn die panische Frage kommt: „Können Sie mir das noch bestellen?!?“
      Und ich: „Klar!!!“
      (Aufglimmende Hoffnung beim Kunden…)
      Ich: „Das können Sie dann nach den Feiertagen abholen.“ 😂
      Gemein… Ich weiß…
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

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      1. Gar nicht gemein! Bist doch Buchhändlerin, keine Zauberin!
        Dann wieso Dich noch durch den Tag und wünsche Dir ganz viel Erholung danach. Bis der Umtauschwahn anfängt… (Jetzt bin ich etwas gemein)
        Liebe Grüße
        Nina

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  2. Das hört sich richtig fein an, das Buch! Und du hast meinen ganzen Respekt in diesen hektischen Tagen, ich kann mir so gut vorstellen, wie schwierig da auch noch der Umgang mit muffelnden Kunden ist! Wobei ich mich frage, warum man eigentlich muffeln muß! Ich war auch schon lieb zu meinem Buchhändler, der mir noch pünktlich vor dem Fest das bestellte Kinderbuch besorgt hat, was würd ich machen, wenn es ihn nicht gäbe, lach!
    Ich schenke dir jetzt auch einfach mal ein Lächeln für die restlichen stressigen Tage, ihr macht alle wundervolle Arbeit, lieben Dank und liebe Grüße
    Monika.

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    1. Awww… Vielen Dank!
      Ich glaube, bei mir ist natürlich auch eine Komponente, daß wir direkt in der Münchner Innenstadt liegen und für viele ist schon allein die Kaufinger Straße zu dieser Jahreszeit der Vorhof zur Hölle… So viele Leute!
      Am Mittwoch schob ich mich durch die Massen, da kam mir ein junger Typ entgegen. Splitterfasernackt! 😂
      Die Amerikaner vor mir sind ausgetickt.
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

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  3. Ich gehe zu gerne um die Weihnachtszeit in eine Buchhandlung und lass mich von der Auslage inspirieren. So kommen zu den Weihnachtsgeschenken auch ganz unauffällig viele Geschenke für mich selbst dazu.
    Ich wünsche dir eine schönes und besinnliches Weihnachtsfest.
    LG Kerstin

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