Review: Weihnachten auf der Lindwurmfeste

Wer die Zamonien-Bücher von Walter Moers kennt, der weiß, was es mit der Lindwurmfeste auf sich hat: ein riesiger, kegelförmiger Felsen, der von Dinosauriern (im Volksmund auch „Lindwürmer“ genannt) bewohnt wird und auf dem sich alles um Bücher und Literatur dreht.

Die Lindwürmer sind Dichter, Denker und Bestsellerautoren, doch von ihren seltsamen Bräuchen wusste man außerhalb der Lindwurmfeste kaum etwas, bis nun Hildegunst von Mythenmetz einen Brief an seinen Freund Hachmed Ben Kibitzer geschrieben hat, in dem er von dem sonderbaren Fest Hamoulimepp, das unserem Weihnachtsfest überraschend ähnlich ist, berichtet.

Wie bei uns an Weihnachten werden die Lindwurmkinder reich beschenkt, allerdings nicht vom Christkind, sondern dem Hamoulimepp, das – je nach persönlicher Überzeugung – unter anderem die Gestalt eines quergestreiften Wolkengeistes, eines riesigen blauen Blumenkohls mit drei Beinen oder einer verrückten Gämse mit sieben Hörnern hat.

Statt Christbäume zu schmücken brechen die Lindwürmer große Stalaktiten in den Höhlen der Feste ab, die die Kinder dann bunt bemalen und schmücken dürfen und statt von christlicher Nächstenliebe handelt die Hamoulimepppredigt von der vorschriftlichen Faltung von Bettlaken aus Wildleder…

Doch einige Bräuche sind wirklich schön; so schön sogar, daß man ein bißchen traurig ist, daß wir keine Äquivalente dazu haben.
So gibt es am zweiten Hamoulimepp-Feiertag einen großen Bücherräumaus auf der gesamten Lindwurmfeste, bei dem jeder Bewohner eine Kiste mit ausrangierten Büchern vor seine Türe stellt und dann die Stadt durchstreift, um die Bücherkisten der anderen zu begutachten.

Auch schön: der Brauch der Lindwurmfesteschneckengedichte.
Hier werden die heimischen Lindwurmfesteschnecken eingefangen, vorsichtig mit Gedichten beschriftet und anschließend wieder freigelassen.
Ist die Schnecke irgendwann mal eines natürlichen Todes gestorben, darf man sich das Häuschen mit den Gedichten aneignen. Im besten Fall ist natürlich das Gedicht eines berühmten Lindwurmes darauf.

„Weihnachten auf der Lindwurmfest oder Warum ich Hamoulimepp hasse“ ist ein humorvolles Büchlein, das in keiner Zamonien-Sammlung fehlen sollte.
Illustriert wurde der Text von Walter Moers und Lydia Rode, mit der er ja schon an Prinzessin Insomnia & der alptaumfarbene Nachtmahr zusammengearbeitet hat, hat Taxonomische Tafeln, wie man sie aus alten Naturkundebüchern kennt, beigesteuert. Sehr schön!

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PS: Als kleines Hamoulimepp-Geschenk findet man am Ende des Buches noch eine kurze Leseprobe von Moers neustem Buch „Der Bücherdrache“, das im Frühjahr 2019 erscheinen wird.

 

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

15 Kommentare zu „Review: Weihnachten auf der Lindwurmfeste“

      1. Ich hab auch schon des öfteren überlegt, ob das Sinn machen könnte, aber wir sind ein Mehrfamilienhaus mit nur neun Parteien. Und eigentlich haben wir nur zwei passionierte Leser im Haus: meinen Schwiegervater und mich. Wenn wir uns mal tatsächlich für das gleiche Buch interessieren, dann tauschen wir das halt so aus… 😉

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