Review: An Absolutely Remarkable Thing

Für alle, die Hank Green noch nicht kennen beginnen wir die heutige Besprechung erstmal mit einer kurzen Vorstellungsrunde.
Hank ist nämlich der jüngere Bruder von John Green und wer jetzt mit den Augen rollt und sich denkt, daß er bestimmt nur deshalb einen Verlag gefunden hat, weil sein Bruder so erfolgreich ist, der kennt Hank Green nicht.

Bekannt wurde er durch den YouTube-Kanal vlogbrothers, auf dem die Brüder jede Woche jeweils ein Video hochladen. Während John derjenige ist, der oft Inhalte mit sehr ausgefeilten Texten und tiefgründigen Selbstreflexionen abliefert, ist Hank der nerdigere, begeisterungsfähigere, der auch unter anderem Wissenssendungen wie SciShow oder CrashCourse produziert, die in englischsprachigen Länder oft im Unterricht gezeigt werden.

Als ich also hörte, daß nun auch Hank Green unter die Schriftsteller gegangen ist, war ich einfach nur sehr gespannt, welche Geschichte er in seinem ersten Buch erzählen würde.

Als April May eines Nachts spät von der Arbeit nach Hause geht, entdeckt sie eine riesige Statue, die mitten auf einem New Yorker Bürgersteig steht.
Wie ist sie dorthin gekommen?
Und was hat es mit der Skulptur auf sich, die an eine Mischung aus Samurai und Kampfroboter erinnert?

Also ruft April ihren Kumpel Andy an, der einen recht erfolglosen YouTube-Kanal betreibt. Gemeinsam berichten sie über die seltsame Statue, der April spaßeshalber den Namen Carl gibt.
Als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist das Video bereits ein viraler Hit, denn auf der ganzen Welt sind zeitgleich weitere Carls aufgetaucht.
Ist es ein Marketing-Gag oder eine großangelegte Kunstaktion?

Doch bald schon wird klar, daß die Carls nicht von der Erde stammen können und April beginnt Experimente zu machen, um herauszufinden, weshalb die Carls hier sind.
Damit setzt sie jedoch Ereignisse in Gang, die weltweite Konsequenzen haben, denn plötzlich beginnen fast alle Menschen der Welt, den gleichen Traum zu träumen.

Darin befindet man sich alleine in einer verlassenen Stadt, in der es Aufgaben und Rätsel zu lösen gibt. – Wie in einem Videospiel oder EscapeGame.
Bald zeigt sich, daß man die meisten Rätsel nicht alleine bewältigen kann. Dafür braucht es Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen, die die Aufgaben zusammen lösen müssen.

Für April ist dies ein Zeichen, daß die Carls friedliche Absichten haben und die Menschheit näher zusammenbringen wollen.
Durch den Erfolg ihres ersten Videos ist sie ohnehin zu einer Berühmtheit geworden und gilt als Fürsprecherin der Carls.
Doch es gibt auch Menschen, denen die Carls Angst machen und die finden, daß bereits der Traum als Angriff auf die Psyche der Menschen gewertet werden muss.
Und während die ganze Welt versucht, die Rätsel der Carls zu lösen schaukelt sich die Stimmung immer weiter auf und der Menschheit steht eine Zerreißprobe bevor…

Ich muss sagen, daß ich das Buch begonnen habe, ohne den Klappentext gelesen zu haben und zunächst einmal überrascht war, daß es eine Geschichte mit Außerirdischen ist. Eigentlich ist das ja nicht so mein Fall…
Doch hier hat man es nicht mit „Krieg der Welten“ zu tun, vielmehr ist die Geschichte eine Allegorie auf den Segen und Fluch des Internets.

Wer Hank Greens Video schon länger verfolgt weiß, daß er das Internet als große Chance sieht, die Welt näher zusammenzubringen, aber auch, sie durch sogenanntes fearmongering zu entzweien.
So könnte man die Carls auch als Platzhalter sehen für politische Einstellungen, humanitäre Ansichten oder Tierrechte…
Dadurch, daß Green aber einen Faktor ins Spiel bringt, zu dem man als Leser noch keine vorgefertigte Meinung hat, kann man die Dynamik, die sich entwickelt relativ objektiv verfolgen, ohne schon vorher beeinflußt worden zu sein.
Ein geschickter Kunstgriff.

Ich war absolut fasziniert von diesem Buch, kann mir aber vorstellen, daß es nicht bei allen Lesern Begeisterungsstürme auslösen wird.
Zum einen hat man mit April May eine Hauptfigur, die es einem nicht gerade leicht macht, sie zu mögen. Sie ist keine gute Freundin, verfolgt ihre Ziele mit fast schon fanatischem Eifer und berauscht sich regelrecht an ihrem plötzlichen Ruhm.
Trotzdem habe ich mit ihr mitgefiebert und mir ständig die Frage gestellt, wie ich wohl mit soviel Aufmerksamkeit auf der einen Seite und blankem Hass auf der anderen umgehen würde.
Kritikpunkt Nummer zwei wird für viele vermutlich das große Fragezeichen sein, das am Ende des Buches aufgeworfen wird.
Für mich ist auch das kein Problem. Gerade bei solchen Büchern finde ist es gut, den Schluß ein wenig offen zu gestalten, um noch ein bißchen darüber nachzudenken.

Auch wenn ich jetzt schon weiß, daß dies Punkte sind, die einige Leser beanstanden werden, gibt es von mir jedenfalls eine klare Leseempfehlung.

Die deutsche Ausgabe erscheint im Februar 2019 unter dem Titel „Ein wirklich erstaunliches Ding“.

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

7 Kommentare zu „Review: An Absolutely Remarkable Thing“

  1. Ich bin noch mittendrin und nicht wirklich begeistert bisher. Zum einen find ich es gerade am Anfang ungeschickt konstruiert (er macht Zeitsprünge, wo man als Leser eine detaillierte Szene erwartet und springt erst zu einem späteren Zeitpunkt zurück in diese Szene), zum anderen wirkt es zu belehrend. Ich les es aber noch bis zum Ende. Vielleicht ändert sich meine Meinung

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    1. Ja, bei mir hat es auch eine Weile gedauert, bis es Klick gemacht hat und wie gesagt, glaube ich daß viele Leser Probleme mit dem Buch haben werden.
      Bei mir steht und fällt eigentlich immer alles mit der Hauptperson und die macht es einem nun wirklich nicht leicht.
      Trotzdem fand ich es insgesamt sehr gelungen.
      Bin dann mal gespannt, wie dein abschließendes Urteil ist.

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  2. Ich habe das Buch absolut geliebt! Und es hat mich teilweise irgendwie richtig emotional mitgenommen, sodass ich nachts wachgelegen habe und darüber nachgedacht habe – sowas habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Dass es sich um Sci Fi handelt, habe ich schon erwartet, ich bin aber auch ein ziemlich großer Hank Green Fan und würde nichts anderes von ihm erwarten – obwohl es ja, wie du sagst, im Prinzip mehr um das Internet und die Menschheit ging. Die zwei Kritikpunkte sehe ich, aber finde ich auch nicht so schlimm. Zum Zweiten: Gerade letzte Woche hat Hank Green in einem Video erwähnt, dass es einen zweiten Teil geben könnte – aber vielleicht war das ein Witz? Ich finde das Buch als Standalone gut, aber wäre auch für eine Fortsetzung zu haben. 🙂 Meine Rezension dazu kommt übrigens diesen Sonntag 🙂

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    1. Hui! Endlich mal jemand, der das Buch auch mochte! Na dann bin ich schon auf deine Rezension gespannt.
      Die Rezensionen, die ich bisher gelesen habe waren eher negativ, eben genau wegen der Kritikpunkte… Ich habe oft das Gefühl, daß ein Buch für viele Leser damit steht und fällt, wie sehr man die Charaktere mag. Dabei geht es ja um so viel mehr.
      Ich mache immer gerne Escape Games und liebe es, wie sich jeder mit einbringen kann. Ein „Spiel“ für die gesamte Menschheit? – Die Idee fand ich ziemlich genial!
      Ich war insofern ein bißchen überrascht, daß es in die SciFi Richtung ging, weil ich mal irgendwas gehört hatte, daß er was im Bereich Fantasy schreiben wollte. Muss mir das letzte Video anschauen, im Moment ist meine YouTube Playliste fast länger als mein SUB hoch ist! 😂

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      1. Das finde ich wirklich schade, dass es bei einigen nicht so gut ankommt, denn die Message, dass wir zusammenarbeiten müssen, ist wirklich wichtig, denke ich – und darum geht es doch viel mehr als um die Protagonistin. Ich fand April jetzt auch gar nicht so schlimm, v.a. weil sie so reflektiert ist und selbst weiß, dass sie nicht der beste Mensch ist. Den Traum fand ich auch ziemlich cool – wenn auch iwie ziemlich creepy. Ich bin nicht so der Gamer, aber es macht mich schon neugierig auf solche Spiele.

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      2. Oh, ich bin ja auch kein Gamer, aber EscapeGames machen wirklich Spaß, wenns ein gutes ist.
        Wenn die Rätsel und Aufgaben nämlich schön ausgewogen sind, dann kann sich jeder irgendwie einbringen. Fast so wie in der Geschichte nur in einem kleineren Rahmen natürlich. 😉

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