Review: Never Mind

Diesen Sommer begegneten mir die Bücher von Edward St Aubyn plötzlich ständig auf Instagram. Es hat eine Weile gedauert, bis ich realisiert habe, daß es sich dabei um die Patrick Melrose – Reihe handelte, die ja vor kurzem mit Benedict Cumberbatch verfilmt wurde.

Die Serie habe ich noch nicht gesehen, aber der Trailer sah vielversprechend aus und das Cover ist wunderschön, also nichts wie her damit!

David und Eleanor Melrose verbringen die Sommer stehts in ihrer Villa im Süden Frankreichs, wohin sie gerne auch Freunde und Bekannte aus der Londoner High Society einladen.
Doch das schöne Wetter, die ausladende Villa mit ihren Ländereien, das gute Essen und die bissigen Gespräche mit den intellektuellen Freunden… das alles ist nur die schillernde Oberfläche unter der sich wahre Abgründe auftun.

Denn Eleanor schlägt sich mit Alkohol und Tabletten durch den Tag, während David es liebt, seine Familie zu demütigen und sowohl seelisch, als auch körperlich zu missbrauchen.

Und so kommt es zu Ereignissen, die das an sich so privilegierte Leben von Patrick Melrose für immer überschatten werden…

Es gibt ja viele Blogger, die Triggerwarnungen in ihre Rezensionen schreiben.
Ich selbst bin kein großer Fan davon, weil dadurch schnell gespoilert werden kann, also nur soviel: wenn ihr Triggerwarnungen für Bücher braucht, dann lest dieses Buch besser nicht.
Damit will ich nicht sagen, daß es unnötig grausam oder gewalttätig ist, allerdings ist der Missbrauch, der hier stattfindet stellenweise nur schwer zu ertragen und während einer Szene saß ich im Zug, hatte mir die Hand vor den Mund geschlagen und meine Mitfahrer wohl mit großen Augen angestarrt, wie um ihnen zu suggerieren: „Bitte sagt mir, daß das gerade nicht wirklich passiert!“

Ich versuche ja immer möglichst wenig über den Autor zu erfahren, damit mein Leseerlebnis  davon nicht beeinflußt wird, aber bei Edward St Aubyn konnte ich es mir nicht verkneifen, zu googeln und tatsächlich sind die Patrick Melrose – Bücher autobiografisch angehaucht und einige der Ereignisse sind dem Autor auch so passiert.

Trotzdem kann ich dieses Buch nur empfehlen!
Wer jetzt interessiert ist, sollte natürlich bedenken, daß es sich hier um den ersten Teil einer fünfbändigen Reihe handelt, weshalb man in diesem Buch noch keine Auflösung erwarten darf.
Ich habe jedenfalls vor, die Reihe nach und nach weiterzulesen.

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Die Patrick Melrose – Reihe:

  1. Never Mind (Schöne Verhältnisse)
  2. Bad News (Schlechte Neuigkeiten)
  3. Some Hope (Nette Aussichten)
  4. Mother’s Milk (Muttermilch)
  5. At Last (Zu guter Letzt)

PS: Aktuell sind nicht mehr alle Einzelbände auf Deutsch lieferbar. Dafür gibt es einen Gesamtband mit dem Titel „Melrose“.
Wer also nur mal in die Reihe hineinschnuppern möchte, ohne sich gleich auf ein 900 Seiten dickes Buch festzulegen, müsste das auf Englisch machen, oder sich eine gebrauchte Ausgabe des ersten Teils besorgen.

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

7 Kommentare zu „Review: Never Mind“

  1. Hi. Durch eine Bloggerin war ich auch auf die Reihe aufmerksam geworden, dazu dann noch die Verfilmung und jetzt lese ich gerade den ersten Band ausgeliehen aus der Bücherei. Ich kann Dich nur bestätigen, *HandvordenMundschlagen* war und ist innerlich auch meine Reaktion.
    Sag mal, hast Du das tolle Libellenfoto gestellt? Denke, es war ein schöner Zufall!
    Liebe Grüsse
    Nina

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, das Foto war wirklich der absolute Zufall!
      Ich war im Garten und hab überlegt, was ich als Motiv für den Beitrag nehmen soll… Die Weintrauben vielleicht, aber da waren die Lichtverhältnisse schrecklich, also hab ich verschiedene Sachen ausprobiert, da höre ich, wie es im Gewächshaus immer wieder gegen die Scheiben knallt. Ich schaue rein, da ist dieser riesen Brummer und findet nicht mehr raus.
      Also nehme ich das, was ich gerade in der Hand halte, nämlich das Buch und versuche die Libelle irgendwie daraufzubugsieren.
      In dem Moment, in dem mir das gelingt wird mir klar, wie cool das ganze ist, also trage ich sie ganz vorsichtig nach draußen, angle nach meinem Handy, um noch ein Foto zu machen, denn das sieht einfach zu gut aus und tatsächlich bleibt die Libelle noch etwa eine Minute brav sitzen, daß ich ein Foto schießen kann. 😊
      Sowas kann man nicht planen! 😂

      Gefällt 4 Personen

  2. Von Edward St. Aubyn könnte ich noch „Der beste Roman des Jahres“ empfehlen. Zumindest bedingt. Ich finde es stilistisch großartig, inhaltlich allerdings überschaubar, es wirft aber einen humorvollen und satirischen Blick auf die Verrücktheiten des Literaturbetriebes.

    Und es ist weniger erschreckend, als die Melrose-Reihe. Jedenfalls nehme ich das an, gelesen habe ich sie nämlich noch nicht, was ich aber bald ändern möchte.

    Gefällt 1 Person

  3. Den Trailer habe ich mir eben einmal angeschaut und abgesehen davon, dass ich eigentlich alles von Cumberbatch großartig finde hat der Trailer es mir sehr angetan. Deshalb werde ich es dann wahrscheinlich mit dem ersten Band aus der bücherhalle probieren.
    Eine inhaltliche Frage zu deiner Rezension: ist Patrick malrose nun ein tatsächlicher Charakter in dem Buch? Denn du erwähnst ihn auch in einem Absatz, doch die Geschichte scheint nur von David und seiner Frau zu handeln

    Gefällt 1 Person

    1. Patrick ist zum Zeitpunkt der Handlung des ersten Buches erst fünf Jahre alt.
      Er ist über weite Strecken der Geschichte eher eine Randfigur, weil sich die Eltern prinzipiell nicht mit ihm beschäftigen wollen… Und wenn sie es tun, wünschte man sich, sie täten es nicht.
      Hier wird die Gedankenwelt von Vater und Mutter sehr stark beleuchtet, was denke ich in den nächsten Bänden wichtig werden wird, wenn sich Patrick älter wird und die Spannungen mit seiner Familie stärker werden.

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