Review: Piecing Me Together

Wenn John Green auf seinem YouTube-Kanal Bücher empfiehlt, höre ich immer genau hin, denn meistens trifft er meinen Geschmack recht gut.
So landete auch „Piecing Me Together“ von Renée Watson auf meiner Leseliste, ein Buch, das ich eigentlich schon während des Black History Month lesen wollte, aber jetzt erst dazu gekommen bin.

Die Weichen in Jades Leben stehen nicht besonders gut; sie lebt ihn den verarmten Aussenbezirken von Portland und ihre alleinerziehende Mutter arbeitet Tag und Nacht, um die Miete und das Essen bezahlen zu können.
Trotzdem hat Jade auch viel Glück. Dank guter Noten und ihrer künstlerischen Ader hat sie ein Stipendium an einer angesehenen Highschool, die ihren Schülern regelmäßige Förderprogramme bietet.

Seit Jahren arbeitet Jade schon darauf hin, für das Austauschprogramm vorgeschlagen zu werden, bei dem sie als ehrenamtliche Helferin ins Ausland reisen dürfte. – Vielleicht ihre einzige Chance im Leben zu verreisen…

Doch stattdessen soll sie an einem Projekt teilzunehmen, bei dem junge Mädchen aus weniger privilegierten Familien Mentorinnen zur Seite gestellt bekommen, die sie in die „bessere Gesellschaft“ einführen sollen.
Jade ist enttäuscht, nicht an dem Austauschprogramm teilnehmen zu können, doch am Ende ihres Förderprojektes winkt ein volles College-Stipendium. Ein Preis, den sie unmöglich ausschlagen kann…

Aber bald schon schlägt Jades Enttäuschung in großen Frust über das Projekt um. Ihre Mentorin Maxine versetzt sie ständig und scheint ohnehin nur an Jade interessiert zu sein, um ihren reichen Eltern zu beweisen, daß sie etwas sinnvolles mit ihrem Leben anstellt.
Und auch auf den Ausflügen, beispielsweise in die Oper, die Jade mit der Projektgruppe unternimmt, fühlt sie sich immer wieder Fehl am Platz.

Da Aufgeben aber keine Option ist, beginnt Jade die Zügel ihres Lebens selbst in die Hand zu nehmen, die Regeln des Spiels zu verändern und einzufordern, was ihr zusteht…

„Piecing Me Together“ war ein Buch, das mich auf vielen Ebenen berührt hat und mir ausserdem einiges über Alltagsrassismus klar gemacht hat.
Denn auch wenn das Buch nicht plakativ mit dem Finger auf Missstände zeigt, wird immer wieder deutlich, wie Afroamerikaner schnell und scheinbar ohne böse Absichten in ein bestimmtes Rollenbild gedrängt werden.
So beginnt es ganz unschuldig, bei einem Besuch der Oper, bei dem die Führerin angesichts einer Gruppe schwarzer Mädchen sofort erklären muss, daß der Dirigent auch Hip-Hop mag und geht soweit, daß Jade in einem Laden gebeten wird zu gehen, weil sie vor der Umkleidekabine auf ihre Freundin wartet.

Es ist ein Buch, das viele wichtige Themen anschneidet, wie sexuelle Belästigung und Polizeibrutalität, aber auch Freundschaft, Familie und Kunst.
Renée Watson schafft es dabei oft, Missstände in wenigen Sätzen präzise auf den Punkt zu bringen. Sehr empfehlenswert!

Bisher ist leider noch keine deutsche Ausgabe geplant.

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

6 Kommentare zu „Review: Piecing Me Together“

    1. Auf jeden Fall!
      Es polarisiert natürlich nicht so wie „The Hate U Give“ und kommt mit wesentlich leiseren Tönen daher, aber gerade deshalb konnte ich sehr viel für mich rausziehen.
      Ich würde ja nie jemanden erschießen, aber wie würde ich reagieren, wenn ein schwarzes Mädchen in einem Laden gebeten wird zu gehen. Würde ich mir denken: „Okay, keine Ahnung was da los war. Da bräuchte ich mehr Informationen.“ oder würden bei mir sofort die Alarmglocken klingeln? Diese Gedankenspiele finde ich wahnsinnig wichtig, daß man dann im richtigen Leben souverän reagieren kann.

      Gefällt 1 Person

      1. Da hast du recht.. ich finde es generell wichtig, sich mit solchen Themen auseinander zu setzen, auch wenn man im Alltag gar nicht so häufig damit konfrontiert wird. Bücher sorgen oftmals dafür, dass ich manches nochmal ganz anders reflektiere. Oder überhaupt drüber nachdenke.

        Gefällt 1 Person

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