Review: Erinnerungen aus der Sackgasse

Die Bücher von Banana Yoshimoto begleiten mich nun schon mein halbes Leben…
In der Ausbildung las ich „Kitchen“ in einer Nacht durch und war sofort begeistert von ihrem unaufgeregtem aber eindringlichen Schreibstil.
Ihre Bücher gehörten auch mit zu den ersten, an die ich mich auf Englisch heran wagte und sie ist eine der wenigen Autorinnen, von denen ich tatsächlich jedes Buch gelesen habe.

„Erinnerungen aus der Sackgasse“ ist ihr neuster Erzählband mit fünf Kurzgeschichten. Drei davon sind länger, zwei relativ kurz.

Was all diese Geschichten verbindet ist das gemeinsame Thema: Menschen, die an einem Punkt in ihrem Leben angekommen sind, an dem sie nicht mehr weiter wissen und sich neu orientieren müssen.

Da ist beispielsweise Iwakura, der die Konditorei seiner Eltern weiterführen soll und sich einfach nicht durchringen kann, diesen Weg zu gehen.
Oder Frau Matsuoka, die einen Giftanschlag überlebt, aber anschließend Schwierigkeiten damit hat, wieder zurück ins Leben zu finden.
Und Mimi, die ihr Leben bereits durchgeplant hat und deren Träume sich alle in Luft auflösen, als sie herausfindet, daß ihr Verlobter eine andere Frau liebt…

Man könnte nun denken, daß diese Geschichten traurig oder auch deprimierend wären, aber das ist nicht der Fall.
Banana Yoshimotos größte Stärke ist es, meiner Meinung nach, daß ihre Protagonisten immer unheimlich positiv sind und versuchen, das beste aus den Prüfungen des Schicksals zu machen.

Ich denke, das ist auch der Grund, warum ich ihre Romane und Erzählungen so liebe.
Nicht nur, daß ihre Figuren sehr positiv ins Leben schauen, auch alle Dinge die sie tun, sei es ihre Arbeit, zu Putzen oder zu Kochen, – besonders das Kochen! – tun sie mit großer lieber Liebe zum Detail.
Dem Alltag wohnt stets ein gewisser Zauber inne, ohne dabei esoterisch zu werden.
Es ist einfach schön, sich das Glück der kleinen Dinge gelegentlich vor Augen zu halten.

Auch Yoshimotos Charaktere sind durch die Bank weg liebenswert. Obwohl sie in der Regel ganz normale Durchschnittstypen sind, gibt es bei genauerer Betrachtung immer etwas, das sie besonders macht.

So schafft sie es auch, einen Band wie „Erinnerungen aus der Sackgasse“ vorzulegen, der eigentlich voll von bedrückenden Themen ist und den Leser trotzdem mit einem zufriedenen, warmen Gefühl zurück lässt.

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

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