Review: Die Adoption – La Garúa

Vor zwei Monaten habe ich euch schon den ersten Band des wunderbaren Zweiteilers „Die Adoption“ aus dem Splitter Verlag vorgestellt.
Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere von euch, daß ich dabei Rotz und Wasser auf die Tastatur geheult habe.

Natürlich wollte ich unbedingt wissen, wie es weiter geht, auch wenn ich schon gehört hatte, daß man kein klassisches Happy End erwarten darf.

Im ersten Teil lernen wird Gabriel kennen, dessen Sohn Alain und Schwiegertochter Lynette nach einem schweren Erdbeben in Peru, bei dem zehntausende Menschen ums Leben gekommen sind, die kleine Qinaya adoptieren.
Zunächst fällt es Gabriel schwer, sich auf das Mädchen einzulassen, doch schon bald erobert Qinaya sein Herz. Umso schlimmer ist der Schock, als sich herausstellt, daß ihre leibliche Mutter noch am Leben ist und Alain und Lynette die unklare Lage ausgenutzt haben, um Qinaya nach Frankreich zu holen.

Anfang des zweiten Teiles nun ist Gabriels Familie von den Ereignissen komplett zerstört worden. Alain hat alle Schuld auf sich genommen und sitzt im Gefängnis, Lynette hat die Scheidung eingereicht, Gabriels Frau Rysette steht unter Schock und ist auf starke Medikamente angewiesen…
Aus einer Laune heraus reist Gabriel nach Lima um Qinaya zu finden und ihr ihr vergessenes Fahrrad zu bringen. Doch das Treffen ist eine Ernüchterung für ihn, denn Qinaya kann sich kaum noch an ihre Zeit in Frankreich erinnern. In ihrem Leben gibt es keinen Platz mehr für Gabriel.

Zufällig lernt er den Belgier Marco kennen, der ebenfalls auf der Suche ist.
Seit dem verheerenden Erdbeben versucht er die Leiche seiner Tochter ausfindig zu machen, die als freiwillige Helferin in Peru arbeitete, um sie in der Heimat begraben zu können.
Gabriel und Marco freunden sich langsam an und erkunden zusammen das Land. Nach und nach wird Gabriel klar, daß da ein anderes Kind ist, das seiner Hilfe bedarf…

Wie schon Qinaya, hat mich auch „La Garúa“ tief berührt, ganz besonders, weil sich die Geschichte in eine Richtung entwickelt hat, mit der ich nie gerechnet hätte.

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Autor Zidrou bricht in vielen Szenen mit der Erwartungshaltung des Lesers und auch wenn ich den Illustrator Arno Monin schon in meiner ersten Besprechung über den grünen Klee gelobt habe, möchte ich hier nochmal sagen, wie wunderbar ausdrucksstark seine Zeichnungen sind, ganz besonders, was die Körpersprache der Figuren angeht.

Immer wieder höre ich, wie klassische Roman-Leser sagen, daß Graphic Novels nichts für sie sind…
Bitte, bitte schaut bei Gelegenheit mal in diese wunderbaren Bände hinein und bestimmt überdenkt ihr eure Meinung.

 

Meine Besprechung zum ersten Teil von „Die Adoption“ findet ihr hier:

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Review: Die Adoption – Qinaya

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

10 Kommentare zu „Review: Die Adoption – La Garúa“

    1. Grüß dich Frank!

      Ja… Ich erinnere mich noch, dass ich deine Besprechung mit einem halben Auge gelesen habe, weil ich wissen wollte, ob der zweite Teil mit Band eins mithalten kann, ich aber noch nicht zu viel erfahren habe wollte.

      Ich bin wirklich immer wieder begeistert, wie gute Graphic Novels es schaffen, auf relativ wenigen Seiten und mit knappen Worten so tiefgründige Geschichten zu erzählen.

      „La Garúa“ hat mich wirklich schwer beeindruckt, vermutlich auch, weil ich an den ersten Band mit einer gewissen Erwartungshaltung heran gegangen bin… Kleines Mädchen erwärmt das Herz eines mürrischen alten Mannes… Solche Geschichten kennt man ja.
      Daß einem diese Erwartungshaltungen dann aber so um die Ohren gehauen werden, um eine völlig andere Geschichte zu erzählen… Das ist großes Kino!

      Viele liebe Grüße zurück!

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  1. Hi. Ja, ich habe als Kind schon Comics geliebt. Das war absolut indiskutabel, Comics waren Schund. Und Comic Kunst gab es eigentlich kaum in Deutschland, schon gar nicht literarische. Dabei gibt es so wunderschöne! Aber Vorurteile abbauen ist da wirklich schwierig. Dabei muss ja sogar beides stimmen, Text und Zeichnungen!
    Schön, dass Du trotzdem dran bleibst
    Liebe Grüße
    Nina

    Gefällt 1 Person

    1. Als Kind habe ich fast nur Comics gelesen… Sehr zum Leidwesen meiner Eltern!
      Später war ich dann total vernarrt in Calvin und Hobbes und hab die Bücher auf Englisch gelesen… Das war dann halbwegs vertretbar. 😉
      Über die Jahre habe ich immer wieder nach schönen Graphic Novels gesucht, aber verstärkt ist das eigentlich erst die letzten zwei Jahre.
      Ist natürlich auch eine Geldfrage, denn wenn man Lesedauer und Seitenzahl betrachtet, sind Romane natürlich ökonomischer. 😉
      Allerdings lese ich Graphic Novels oft auch zum dritten, vierten, fünften mal… Bei Romanen kommt das kaum vor. 😉
      Liebe Grüße zurück!

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  2. „Klassische Roman-Leser“

    In gewisser Weise bin ich schuldig im Sinne der Anklage. Dabei habe ich weder etwas gegen Graphic Novels, noch habe ich jemals etwas gegen Comics gehabt. Ich bin halt noch mit Comics groß geworden, die zwar mitunter ziemlich erwachsen waren („Valerian“, „Blueberry“), aber eben immer noch deutlich anders als Romane.

    Dass heutige Novels da eher Grenzen sprengen, ist zwar rein intellektuell bei mir angekommen, gefühlsmäßig habe ich aber noch eine Hürde zu überwinden. Deswegen danke ich dir für diese Besprechungen. Vielleicht springe ich ja eines Tages doch noch drüber 😉 .

    Gefällt 1 Person

    1. Vor einiger Zeit waren Comics und Graphic Novels mal Thema in der Montagsfrage.
      Ich war wirklich überrascht, daß so viele geantwortet haben, daß Comics für sie mit Asterix aufgehört haben.
      Und trotzdem bekomme ich unter meinen Graphic Novel-Besprechungen immer wieder tolle Kommentare von Lesern wie dir, die super interessiert sind, sich aber noch nicht dran trauen.
      Das freut mich wirklich sehr, daß ich doch ein bißchen Interesse wecken kann und mittlerweile hab ich wohl schon den ein oder anderen mürbe gemacht.
      Eines Tages krieg ich dich auch noch! 😂

      Gefällt 1 Person

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