Review: Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ ist einer dieser Titel, die scheinbar aus dem Nichts kommen, dann aber plötzlich in aller Munde sind. Denn obwohl das Buch bereits in zig Sprachen übersetzt wurde, von verschiedenen Magazinen zu einem der besten Bücher des Jahres gekürt wurde und eine Verfilmung geplant ist, dauerte es doch ganze sechs Jahre, bis es seinen Weg nach Deutschland fand.

Die Geschichte spielt im New York der achtziger Jahre: Junes geliebter Onkel Finn wird bald an AIDS sterben. Doch vorher möchte der bekannte Künstler noch ein Porträt von der vierzehnjährigen June und ihrer Schwester Greta malen.
Kurz nachdem er das Gemälde fertig gestellt hat, stirbt Finn und June stürzt in ein tiefes Loch… Denn Finn war nicht nur ihr Onkel, ihr bester Freund und Vertrauter, für sie war er auch die erste große (unerwiderte) Liebe.

Kurz nach Finns Beerdigung erhält June eine seltsame Botschaft: Toby, der langjährige Partner ihres Onkels bittet sie um ein Treffen.
Zunächst ist June verärgert und frustriert. Ihre Mutter ist überzeugt davon, daß Toby derjenige war, der Finn mit AIDS angesteckt hat und für June bricht eine Welt zusammen, als ihr bewusst wird, daß ihr Onkel ihr verschwiegen hat, daß er seit Jahren in einer festen Beziehung lebt.

Trotzdem ist June neugierig und trifft sich heimlich mit Toby.
Schnell wird ihnen klar, daß beide gleich stark um Finn trauern und mit der Zeit entwickelt sich eine zarte, aber fragile Freundschaft zwischen den beiden…

Doch während June und Toby langsam Vertrauen zueinander fassen, wird es immer schwieriger, ihre Freundschaft vor Junes Familie zu verbergen, denn die eifersüchtige Greta spioniert ihrer Schwester nach…
Als dann plötzlich ein Foto des Porträts der Mädchen in einer Zeitung veröffentlicht wird und sich die Medien auf die Suche nach dem Gemälde machen, eskaliert der Streit der Schwestern…

„Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ hat mich ziemlich schnell in seinen Bann geschlagen.
Es ist zwar recht leicht geschrieben und scheint mir in den USA auch eher als Jugendbuch gehandelt zu werden, aber die Geschichte spricht doch viele Altersgruppen gleichermaßen an.

Dieses Buch handelt von den verschiedensten Arten der Liebe und kommt doch ganz ohne Sex aus.
Ich war überrascht, auf eine so tiefgründige Geschichte zu stoßen und bin gespannt, was uns noch von Carol Rifka Brunt erwartet.
Hoffentlich dauert es beim nächsten Buch nicht auch wieder sechs Jahre. 😉

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

8 Kommentare zu „Review: Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“

  1. Es ist wirklich spannend zu sehen wie das mit den Übersetzungen läuft. Mein Beispiel: „Die drei Sonnen“ von Cixin Liu, das ja erst 10 Jahre später auch ins Deutsche übersetzt wurde, natürlich erst als es in den USA auch einen fetten Preis abgesahnt hat. Da hilft es doch Bücher auch im Original lesen zu können, allerdings müsste man die Büchermärkte der anderen Länder auch noch im Blick haben. Ist das etwas, das du als Buchhändlerin auch tust oder kommt man da gar nicht mehr hinterher?

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    1. Da ich ja selber nur englisch beherrsche schau ich natürlich schon in dem Bereich nach spannenden Büchern und hoffe, daß sie übersetzt werden wenn sie mir gut gefallen.
      Kolleginnen, die zum Beispiel gut Spanisch oder Französisch sprechen lesen auch gerne mal in dem Bereich… Es kommt also schon immer darauf an, ob man es selber versteht.
      Auf dem chinesischen Markt würde ich mich gar nicht auskennen. 😅

      Gefällt 2 Personen

      1. Ich hab mir das Buch tatsächlich auch auf Chinesisch gekauft, bin aber gnadenlos gescheitert… 😦 Ich bewunderte Übersetzer, die Sprachen, die so weit weg von unserer sind, so gut rüberbringen können.

        Gefällt 1 Person

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