Review: Artemis

„Der Marsianer“ war ein Buch, das mich wirklich überrascht hat… Ich lese eher selten Science Fiction, doch diese Geschichte hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert und der Erfolg spricht dafür, daß es nicht nur mir so ging. 😉

Dementsprechend hoch waren also die Erwartungen an das neue Buch von Andy Weir, doch nachdem ich die ersten Besprechungen zu „Artemis“ gelesen hatte, habe ich diese Erwartungen gleich mal nach unten geschraubt.
Offenbar kommt es sehr darauf an, ob man die Hauptfigur mag oder eben nicht und ich hörte von einigen Lesern, daß sie mit der Protagonistin einfach nicht warm wurden.
Höchste Zeit also, mir eine eigene Meinung zu bilden!

Jasmine „Jazz“ Bashara lebt auf dem Mond seit sie sechs Jahre alt ist. An die Erde kann sie sich kaum noch erinnern, ihre Heimat ist Artemis, die einzige Stadt auf dem Mond. Doch das Leben hier ist teuer und so verdient sich Jazz ein paar Motten (die Bezahleinheit auf dem Mond) dazu, indem sie verbotene Waren wie Zigaretten oder Alkohol einschmuggelt.
Als ihr ihr Stammkunde Trond Landvik, ein norwegischer Milliardär, ein verlockendes Angebot macht, kann Jazz nicht nein sagen: Sie soll die benachbarte Aluminiumfabrik lahm legen, und wäre damit all ihre Geldsorgen auf einen Schlag los.
Doch der Sabotageakt läuft schief und kurz darauf wird Trond Landvik ermordet. Jazz begreift, daß nicht nur sie in Gefahr schwebt, sondern alle Bewohner von Artemis…

Während „Der Marsianer“ die Neugier vieler Leser durch seine ungewöhnliche Prämisse weckte ist „Artemis“ ein eher klassischer Thriller, der eben zufällig auf dem Mond spielt.
Auch ganz so technisch wie im „Marsianer“ geht es in „Artemis“ nicht zu.

Das Rad hat Andy Weir in seinem zweiten Buch also nicht neu erfunden, aber er hat einen wirklich spannenden und witzigen Thriller mit einem ungewöhnlichen Setting geschrieben.
Wie schon beim „Marsianer“ gibt es auch in „Artemis“ wieder interessante Gedankenspiele: So richtet sich zum Beispiel der Wert des Geldes in Artemis rein danach, wieviel es kostet, ein bestimmtes Gut auf den Mond zu transportieren. Und auch die geringe Mondschwerkraft führt zu ungewöhnlichen baulichen Maßnahmen, zum Beispiel Stufen, die einen halben Meter hoch sind, weil es so einfach ist, sie hochzuhopsen. 🙂

Was die Protagonistin angeht muss ich sagen, daß mir Jazz recht schnell ans Herz gewachsen ist.
In einigen Besprechungen habe ich gelesen, daß viele Probleme hatten, sich mit ihr zu identifizieren und tatsächlich ist Jazz auf den ersten Blick keine besonders sympathische Person. Sie flucht und trinkt, ist sehr von sich selbst überzeugt und ganz ehrlich… bis auf ein, zwei Szenen merkt man gar nicht, daß man es hier mit einer weiblichen Hauptfigur zu tun hat.
Aber gerade das fand ich herrlich erfrischend! Ein weißer, männlicher, amerikanischer Autor schafft es hier tatsächlich, über eine dunkelhäutige Araberin und Muslima zu schreiben, ohne von einem Klischee ins nächste zu stolpern, ja sogar ohne es groß zum Thema zu machen.
Jazz ist keine perfekte Heldin, aber sie ist cool, smart, selbstbewusst und hat das Herz am rechten Fleck.

„Artemis“ zu lesen hat mir wirklich wahnsinnig Spaß gemacht!
Gerade als leichte Urlaubslektüre absolut empfehlenswert!

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

25 Kommentare zu „Review: Artemis“

  1. Ich habe das Hörbuch gehört und frage mich gerade, ob ich falsch liege… Ich würde das Buch eher in die Ecke SciFi (klar 😉 ) mit Krimianteilen stecken. Mich interessiert, ohne das böse oder besserwisserisch zu meinen, wo du den Thriller siehst. Das ist ja auch alles immer ein wenig definitionssache…
    Viele Grüße

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    1. Ach… Klar ist es Science Fiction. Aber für den Plot spielt es ja eigentlich nicht sooo die große Rolle. Klar macht es alles komplizierter… Luftschleuse hier, Luftschleuse da… 😉
      Der Plot an sich (Wirtschaftssabotage, Geldwäsche, Mafia,…) könnte aber so auch auf der Erde spielen. Dann würde es aber kein gehopse durch die Gänge geben und das wäre dann doch schade. 😉
      Also… Natürlich steht Artemis bei mir im Laden bei den SciFi Büchern, aber ich würde es ohne mit der Wimper zu zucken auch meinen Thriller Kunden in die Hand drücken.
      Ich hoff, du hast auch Spaß mit dem Hörbuch. Liebe Grüße zurück!

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    1. Ja… Manchmal wächst man aus bestimmten Genres heraus. Ich kann mir auch nicht mehr vorstellen, ausschließlich die Bücher zu lesen, die ich als Teenager gelesen habe… Aber manchmal muss ein nostalgischer Blick zurück auch sein. 😉
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

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  2. Ich bin schon ganz gespannt auf das Buch, es muss aber noch ein bisschen warten. Aber ich werde auf jeden Fall versuchen, es ohne große Erwartungen zu lesen, als hätte Der Marsianer nichts damit zu tun. 🙂 Ich liebe Science-Fiction, mag Thrillers dafür eher nicht. Mal schauen, wie so eine Kombination bei mir ankommt.

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  3. Hi. Bin sehr froh, Deine Besprechung gelesen zu haben! Endlich jemand, der da ohne Marsianer Erwartung heran geht. Hab das Buch nämlich auch auf meiner Liste. Und so wie Du Jazz beschreibst, werde ich sie mögen. Und in vielen SF gibt es doch Thriller Elemente. Wenn man es genau nimmt, vermischen sich häufiger die Genre. Also, als Buchhändler hat man da dann manchmal Probleme, dass richtige Regal zu nehmen. Allein die sogenannten All Aber. Harry Potter wurde erst nur in die Kinder – und Jugendbuch Abteilung gestellt. Später drückte der Verlag extra eine Erwachsenen Ausgabe… (mit weniger buntem Cover).
    Usw
    Also, ich freue mich jetzt auf s Buch, Danke Dir!
    Liebe Grüße
    Nina

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    1. Ha! Ja stimmt! Die Harry Potter Erwachsenen-Ausgaben! 😂
      An die hab ich ja schon ewig nicht mehr gedacht.
      Du wirst nicht glauben, wieviele Kunden etwas verschämt und flüsternd zu mir gekommen sind und gefragt haben, ob das die unzensierte Fassung ist und ob da Sex drin vorkommt. 😂
      Ich hoff, du hast mit Artemis auch so viel Spaß. Wie gesagt: zum abschalten für den Urlaub ist es super.
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

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  4. Jazz habe ich eigentlich auch gerne gefolgt 🙂 Das Buch konnte mich einfach nicht richtig fesseln (im Gegensatz zum Marsianer), aber es hatte doch viele interessante Aspekte z.B. genau das, was du beschreibst, all die spannenden Details darüber, wie das Leben auf dem Mond aussehen würde.

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    1. Ich hoffe, du hast genauso viel Spaß damit, wie ich.
      Es steht und fällt wohl wirklich damit, ob mal Jazz nun eben mag oder nicht, aber ich fand sie als Charakter wirklich mal sehr erfrischend, weil sie eigentlich komplett ohne irgendwelche Stereotype auskommt.
      Bin gespannt auf deine Meinung.
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

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  5. Liebe Andrea,

    danke für diese wirklich sehr hilfreiche Rezension! Ich habe das Buch erst letztens meinem Freund zur bestandenen Prüfung geschenkt (‚Der Marsianer‘ hat uns beiden nämlich richtig gut gefallen) und insgeheim gehofft, dass er es ganz schnell anfängt, damit ich es danach lesen kann. Tjaja, ganz uneigennützig. 😀 Aber bis jetzt ging der Plan nicht wirklich auf, weil er noch keine Zeit hatte, damit anzufangen… puh. Dann muss ich wohl warten und derweil eine Artemis-Rezension nach der anderen lesen. xD

    Liebste Grüße,
    Ida

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