Review: Unorthodox

Bevor mir eine Kollegin „Unorthodox“ empfahl hatte ich noch nie etwas vom chassidischen Judentum gehört. Trotzdem war ich sofort gefesselt von Deborah Feldmans Autobiographie.

Aufgewachsen ist sie zwar im New York der 90er Jahre, doch ihre Jugend war von der ultraorthodoxen Lebensweise ihrer Familie und Nachbarschaft so geprägt, daß ich manchmal das Gefühl hatte, eine Geschichte aus dem 18. oder 19. Jahrhundert zu lesen.

Bei den Chassiden ist koscher nicht koscher genug, Frauen rasieren sich nach der Hochzeit den Schädel und tragen fortan nur noch Perücken und mit Anfang zwanzig gelten Frauen und Männer als fast schon zu alt für den Heiratsmarkt.

Deborah ist schon immer ein aufgewecktes Mädchen, die die strengen Regeln in Frage stellt und verbotene Klassiker liest, trotzdem fügt sie sich lange ein. Mit 17 Jahren wird eine Ehe für sie arrangiert, doch statt eine glückliche Hausfrau zu werden beginnt sie immer mehr zu rebellieren…

Wie schon bei Trevor Noahs „Born a Crime“ („Farbenblind“) war ich auch bei „Unorthodox“ erstaunt, von Gleichaltrigen zu lesen, deren Leben so völlig anders als meines war.

Wieder einmal ein Blick über den Tellerrand, der sich absolut gelohnt hat.

Deutscher Titel: UnOrthodox

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

11 Kommentare zu „Review: Unorthodox“

  1. Ich pflichte Dir absolut bei, liebe Andrea. Ich habe den Band total verschlungen. Ich kann Dir auch ihr zweites Buch, Überbitten, sehr empfehlen. Hier wäre aber die deutsche Ausgabe des Buches besser, wie die Autorin höchstpersönlich bei einer Lesung in Berlin meinte. Bei der amerikanischen Fassung hat der Verleger wohl sehr stark mitgemischt und der Autorin ein paar Wendungen in der Erzählung „aufgezwungen“, die eher der Verkäuflichkeit statt einer authentischen Wiedergabe dienen sollten. Deshalb hat Deborah Feldman das Ganze für die deutsche Ausgabe im Secession Verlag um etliche Kapitel ergänzt. Lohnt sich sehr!

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