Review: Der Zopf

Wie für viele war „Der Zopf“ von Laetitia Colombani für mich zunächst einmal ein Cover-Kauf. Ihr wisst ja; ich kann an schön gemachten Büchern einfach nicht vorbei gehen. 😉
Doch auch die Handlung hat mich ziemlich schnell gefangen genommen.

In diesem Buch werden die Geschichten von drei sehr unterschiedlichen Frauen miteinander verflochten.

Da ist Smita aus Indien, eine Unberührbare, deren Arbeit es ist, die Toiletten der Reichen zu leeren. Für ihre kleine Tochter Lalita wünscht sie sich ein besseres Leben und so spart sie alles was sie hat, um ihr den Besuch einer Schule zu ermöglichen.
Doch bereits am ersten Tag wird Lalita von ihrem Lehrer bloßgestellt und Smita trifft für sich und ihre Tochter eine lebensverändernde Entscheidung: Sie will aus dem kleinen Dorf verschwinden und die Grenzen, die ihr das Kastensystem setzt, überwinden…

Giulia aus Sizilien hat dagegen ein sehr behütetes Leben. Bis zu dem Tag, an dem ihr Vater in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt wird.
Giulia ist es gewohnt von klein auf in dem traditionsreichen Familienbetrieb – einer Perückenfabrik – mitzuarbeiten, doch nachdem ihr Vater im Koma liegt, wird ihr bewusst in welchen Schwierigkeiten die Firma steckt.
Wird es ihr gelingen eine Lösung zu finden oder muss der Betrieb geschlossen werden?

Und schließlich ist da noch Sarah aus Montreal, die hart für ihre Karriere als Anwältin gekämpft hat und nun vor den Trümmern ihres Lebens steht. Denn Sarah hat Krebs und während sie mit aller Macht versucht, ihre Krankheit zu ignorieren und ihre Position in der Kanzlei zu halten, wittern bereits andere aufstrebende Anwälte die Chance, sich auf Sarahs Kosten zu profilieren…

Diese drei Geschichten werden immer abwechselnd erzählt, eben wie ein Zopf geflochten wird.
Sprachlich ist das Buch recht einfach gestrickt. Es ist keine große Literatur, trotzdem aber sehr kraftvoll und mitreißend.

Ein paar Blogger hatten sich etwas kritisch geäußert, weil die Figuren (besonders Sarah) recht klischeehaft beschrieben wurden und das mag wohl auch stimmen. Doch es hat den Vorteil, daß man sehr schnell ein Bild von den Charakteren im Kopf hat, was auch zum Tempo der Geschichte beiträgt.

Für mich war „Der Zopf“ definitiv ein kleines Lesehighlight, das man jedem empfehlen kann, der eine leichte, mitreißende Lektüre mit Tiefgang sucht.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

13 Kommentare zu „Review: Der Zopf“

  1. Hi, das ist jetzt schon die 2. Besprechung, die ich von dem Buch lese. Die war auch positiv.
    A. von Droste Hülshoff
    Und darf nur heimlich lösen mein Haar
    Liebe Grüsse (und schon wieder ein Titel auf der *könnte ich doch lesen* Liste)
    Nina

    Gefällt 2 Personen

    1. 😂 Ach ja… Die „Könnte ich doch lesen“ – Liste! Die wird noch mal mein Untergang sein. 😉
      Ich hab auch schon einen totalen Verriss von diesem Buch gelesen, allerdings haben mich die Klischees, die zum Teil bedient wurden nicht so sehr gestört wie diese Rezensentin. Für mich war es wie gesagt ein wirklich schönes Buch für zwischendurch. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Hey!
    Das klingt echt gut.
    Und wie du schon sagst sind so klischeehafte Beschreibungen manchmal hilfreich, damit man ein Bild bekommt.
    Letztendlich bleibt es ja dennoch fiktiv, da spricht doch nichts gegen ein paar Klischees 🙂
    So lange es nicht so überladen ist. Finde ich.

    Danke für den Tipp!

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 2 Personen

    1. Ja… Da bin ich ganz bei dir. Anstrengend wirds für mich, wenn die Klischees so präsent sind, daß die Handlung komplett vorhersehbar wird und man nur noch die Augen verdrehen kann. 🙄😅
      Bei diesem Buch war das aber definitiv nicht der Fall für mich.
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

      Gefällt 1 Person

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