Review: Die Ermordung des Commendatore I – Eine Idee erscheint

Zuerst einmal ein Geständnis:
Ja, ich bin eine dieser Buchhändlerinnen Mitte dreißig, die auf die Frage nach ihrem Lieblingsautor sofort und ohne nachzudenken mit „Murakami!“ antworten… Es ist schon fast ein Klischee… 😉
Haruki Murakami begleitet mich nun schon mein halbes Leben lang, seit mir eine Kollegin vor 18 Jahren „Wilde Schafsjagd“ in die Hand drückte und nur „Lesen!“ sagte.
Und gelesen habe ich… und zwar alles, wirklich alles von Murakami. Selbst obskurere Werke wie „Untergrundkrieg“ oder „Absolutely on Music“… – Wenn Murakami drauf steht, landet es sofort auf meiner Leseliste.

Trotzdem ist mir klar, daß es bessere und schlechtere Bücher von ihm gibt und ich werde kein Buch in den Himmel loben, wenn es mich nicht überzeugt hat.
Mir ist klar, daß nicht jeder etwas mit magischem Realismus oder Murakamis fast schon technisch anmutenden Sexszenen anfangen kann…
Trotzdem muss ich sagen, daß „Die Ermordung des Commendatore“ für mich eines seiner besten Bücher ist und ein absolutes Lesehighlight des Jahres!

In diesem ersten Teil der Geschichte lernen wir den namenlosen Ich-Erzähler kennen; einen halbwegs erfolgreichen Porträtmaler, der seit der Trennung von seiner Frau den Boden unter den Füßen verloren hat. Er gibt das Porträtieren auf und reist ziellos durch das Land, bis sich ein alter Studienfreund bei ihm meldet.
Dieser bietet ihm an, ihm das Haus seines Vaters gegen einen geringen Betrag zu vermieten. Der Vater, Tomohiko Amada, war selbst ein gefeierter Maler und lebte zurückgezogen in den Bergen, bis er kürzlich in ein Pflegeheim übersiedelte.
Kaum zieht der Erzähler in das abgelegene Haus, beginnen seltsame Ereignisse ihren Lauf zu nehmen…
Es beginnt damit, daß er ein unbekanntes Meisterwerk von Tomohiko Amada auf dem Dachboden findet. Das Bild trägt den Titel „Die Ermordung des Commendatore“ und scheint eine verborgene Botschaft zu beinhalten.
Kurz darauf meldet sich der mysteriöse Herr Menshiki, der auf der anderen Seite des Tales lebt, bei ihm. Menshiki hat erfahren, daß der Erzähler Porträtmaler war und bietet ihm einen erstaunlich hohen Betrag, wenn er eine Ausnahme für ihn machen und sein Porträt malen würde.
Eines Nachts wird er dann auch noch vom Klang einer Glocke geweckt. Neugierig geworden verfolgt er das Geräusch und entdeckt einen alten, moosüberwucherten Steinhaufen, unter dem jemand zu läuten scheint.
Was hat es damit auf sich und hängen all diese Ereignisse irgendwie zusammen?

Ich bin schon selbst sehr gespannt auf die Antwort, denn Teil zwei „Eine Metapher wandelt sich“ erscheint im April.

Bis dahin kann ich es kaum erwarten und ich möchte an dieser Stelle noch kurz dem Dumont Verlag danken, der sich immer wieder etwas einfallen lässt, um die Bücher von Haruki Murakami zu einem kleinen Gesamtkunstwerk zu machen.
Denn schaut euch mal bitte dieses wunderschöne Buch an!

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Meine Besprechung des zweiten Teils findet ihr hier:

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Review: Die Ermordung des Commendatore II – Eine Metapher wandelt sich

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

12 Kommentare zu „Review: Die Ermordung des Commendatore I – Eine Idee erscheint“

  1. Von Haruki Murakami wollte ich schon immer mal etwas lesen. Vielleicht fang ich ja hiermit an, aber erst, wenn das Buch komplett ist.
    Was käme als Kennenlernlektüre noch von ihm in Frage?

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  2. Obwohl ich (leider) nicht Mitte 30 und keine Buchhändlerin bin, lautet meine Antwort nach dem Lieblingsautor sehr ähnlich: Paul Auster und Haruki Murakami. 🙂
    Und auch ich fand diesen ersten Teil eines seiner besten Bücher, kann den zweiten Teil kaum erwarten.

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  3. Ich habe das Buch in einer Buchhandlung durch puren Zufall gesehen und war absolut begeistert von der Aufmachung *_* . Ich habe noch nie ein Werk von Murakami gelesen und habe lange mit mir gehadert, ob ich das tue. Aber dieser Beitrag hat mich überzeugt, dass ich es mal probiere. Gerade, weil ich wissen möchte, ob dieser – anscheinend etwas andere – Autor was für mich ist.
    Da ich gerade gelesen habe, dass die Frage nach einer Einsteigerlektüre schon gestellt wurde, spare ich sie mir, sage danke und werde mir wohl mal „Naokos Lächeln“ genauer anschauen :).

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    1. Fein! Ich hoffe, er kann dich begeistern. Mir ist schon bewusst, daß es nicht jedermanns Sache ist… Vermutlich einer dieser Love him or hate him Autoren. 😉
      „Naokos Lächeln“ ist ganz wunderbar aber auch ein wenig schwermütig. Das nur als kleine Warnung. 😉
      Ein ganz kurzes Murakami Buch in dem du seinen Stil gut kennenlernen kannst wäre zum Beispiel auch „Sputnik Sweetheart“. Nicht sein bestes, aber zum Kennenlernen sehr gut geeignet.

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  4. Danke, liebe Andrea! :-)) Mir hat Die Ermordung des Commendatore auch sehr gut geafllen – und ich bin schon ganz ungeduldig, weil das zweite Buch erst im April erscheint!!! Lese nun zur Überbrückung sozusagen Birthdaygirl… ist aber nur seeehr kurz :-/

    liebe Grüße,
    Petra

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