Review: The Last Black Unicorn

Als ich Tiffany Haddish vor Weihnachten in einem Interview bei der Daily Show gesehen habe, war ich sofort hin und weg…
Diese Frau hat mir ein dickes Lächeln ins Gesicht gezaubert, mit ihrer positiven und direkten Art.
Trevor Noah fiel fast vom Stuhl, so sehr musste er lachen und als er anschließend „The Last Black Unicorn“ in die Kamera hielt und rief: „You have to get this book!“ zögerte ich keine Minute.
Aber ach… vor Weihnachten war das Buch in den USA wohl ausverkauft und so musste ich zwei Monate warten, bis es schließlich doch noch den Weg zu mir fand.

Während ich also sehnsüchtig wartete, habe ich zig Videos von Tiffany Haddish auf YouTube gesehen. Vielleicht ein Fehler, denn als das Buch schließlich geliefert wurde kannte ich die ganzen Highlights leider schon.

Tiffany Haddish hatte wirklich nicht viel Glück im Leben. Ihr Vater verließ die Familie schon früh und ihre Mutter hatte einen Autounfall, bei dem sie so schwere Gehirnverletzungen davontrug, daß sie seitdem unter psychischen Störungen leidet. So wurde Tiffany ständig geschlagen, bis sie irgendwann in verschiedenen Pflegefamilien landete. Ihre Großmutter setzte zwar nach ein paar Jahren durch, daß sie sich um das Kind kümmern durfte, warf Tiffany allerdings aus dem Haus als sie 18 wurde und die staatliche Unterstützung gestrichen wurde…

Doch Tiffany war schon immer eine Kämpferin. Als sie beispielsweise wegen einer Warze auf der Stirn gemobbt wurde, erklärte sie: „I’m the Last Black Unicorn! I’m a magical creature!“
Sie stellte schnell fest, daß sie ein Talent dafür hat, Leute zum Lachen zu bringen… und wenn sie über dich Lachen, dann verprügeln sie dich nicht.
So kam sie zur Comedy und später zur Schauspielerei.

Doch nicht alle Geschichten in „The Last Black Unicorn“ sind zum Lachen. Mit einer herzzerreissenden Naivität stolpert sie von einer furchtbaren Situation in die nächste. In einer Pflegefamilie wird Tiffany sexuell missbraucht und begreift das erst Jahre später, als sie erwachsen ist, versucht ihr Ehemann sie umzubringen und sie läßt sich von ihm scheiden, nur um ihn bald darauf ein zweites Mal zu heiraten…

Trotz allem bleibt sie ein unheimlich positiver Mensch und das ist es, was ihre Geschichten auch so besonders macht.

Sprachlich gesehen war schnell klar, daß ich von „The Last Black Unicorn“ keine schöne Literatur erwarten darf. Haddish schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist und sie flucht unentwegt… Ausgemacht hat mir das nichts, weil ich ihre Stimme und ihren Stil ja schon aus den YouTube Videos kannte und beim Lesen die ganze Zeit das Gefühl hatte, eine kleine Tiffany würde auf meiner Schulter sitzen und mir ins Ohr brüllen.

Sollte man dieses Buch also gelesen haben?
Ehrlich gesagt ist Haddishs Stärke wohl eher die Bühne. Ich kann die Videos ihrer Stand Up Comedy Show empfehlen und vermutlich ist das Hörbuch ganz bezaubernd…
Das Buch selbst war mir einfach nicht ausgereift genug.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

15 Kommentare zu „Review: The Last Black Unicorn“

  1. Das hört sich interessant an! Ich glaube, ich weiß, wofür ich mein nächstes Audible-Guthaben auf den Kopf hauen möchte. Ich mag ja solche biografischen Sachen sehr gern und gehe jetzt mal auf Youtube nach den von Dir erwähnten Videos gucken – vielen Dank für die Vorstellung!

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Andrea,
    Ich hatte von Tiffany Haddich bisher nichts gesehen, aber jetzt bin ich sehr versucht mal auf YouTube nach ihren Videos zu schauen.
    Ich werde auf jeden mal in die Hörprobe auf Audible reinhören das Buch kling ganz interessant.
    Liebe Grüße und danke für die Rezension.
    Elisa

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Andrea,

    auch hatte von Tiffany Haddish bisher nichts gehört, mir jetzt aber sofort einige Videos auf YouTube angeschaut: Naturgewalt trifft’s perfekt, und der Sprech ist auch ganz ohne 4-Letter-Words nicht von schlechten Eltern. Vielen Dank für den Tipp!
    Schönen Sonntag noch!
    Niamh

    Gefällt 1 Person

  4. Ohje, mittlerweile weiß ich gar nicht mehr, ob meine Freude oder die Trauer meines Bankkontos größer ist, wenn ein neuer Beitrag bei dir online geht 😀
    Du schaffst es auch mit dieser Rezension wieder unglaublich viel Leidenschaft und Begeisterung zum Ausdruck zu bringen – das Buch wird auf jeden Fall bei mir einziehen!

    Liebste Grüße ❤ Jill

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    1. Auweia! 😂 Sorry?
      Meinen Kunden geht das auch immer so mit mir.
      Kunde: „Ich will nichts kaufen, gehen sie weg!“
      Ich: „Sehr schön, ich stell ihnen gleich mal ihr neues Lieblingsbuch vor!“
      Kunde: „Na gut… Aber nur eins…“
      Ich: „Aber dann wäre das eine Buch doch ganz allein…“
      Kunde: „Ja… Da haben sie recht…“ 😂
      Neenee… Was „The Last Black Unicorn“ angeht glaub ich, daß man vermutlich mit dem Hörbuch ein bißchen mehr Spaß hat. Schau halt mal… Vielleicht hast du ja ein Audible Abo oder so und kannst da mal reinhören… Und ich kann ruhig schlafen, weil ich die Jill nicht ins Armenhaus gebracht habe. 😉
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

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