In vollen Zügen nach… Venedig Tag 2: Acqua Alta

Nach unserem ersten Tag in Venedig an dem es ja sehr… sehr voll war, hatten wir an Tag zwei etwas mehr Glück, denn es regnete in Strömen.
So konnten wir die Stadt endlich erkunden, ohne in einem Strom von Menschen durch die Gassen geschoben zu werden.

Natürlich standen San Marco und der Campanille ganz oben auf unserer Liste. Die Mosaiken in der Basilika sollte man wirklich einmal im Leben gesehen haben und mein Großer war sichtlich beeindruckt.
Wir investierten die 5€ (2,50€ für Kinder) um das Museum oben im Dom zu besuchen.
Hier sieht man die berühmten Pferdestatuen, kann von den Galerien aus die Mosaiken besser betrachten, von aussen auf den Markusplatz schauen und es gibt eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Basilika. Dort werden auch Mosaikfragmente ausgestellt, die im Laufe der Zeit ausgebessert und ersetzt wurden.
Es war unglaublich zu sehen, wie die Künstler minimale Farbunterschiede der einzelnen winzigen Steinchen genutzt haben, um Gesichter absolut perfekt zu schattieren.

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Danach machten wir uns zum Stadtteil Dorsoduro auf, um die Da-Vinci-Ausstellung in der Kirche San Barnaba zu besuchen.
Mit 8€ (5€ für Kinder) ist die Ausstellung wirklich nicht günstig, aber ich hatte sie noch in guter Erinnerung von damals, als ich das letzte Mal in Venedig war.
Hier gibt es nämlich Modelle zu da Vincis technischen Skizzen und man kann Hebevorrichtungen, Seilzüge und vieles mehr selbst bedienen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie einfach und gleichzeitig genial diese Modelle sind.
Meinem Großen hat es auf jeden Fall Spaß gemacht.

Seit meinem letzten Besuch in Venedig hat sich einiges verändert…
Die Fondaco dei Tedeschi, die damals noch die etwas heruntergekommene Postzentrale war, ist mittlerweile ein Luxuskaufhaus. Und auch von den kleinen, gemütlichen Tramezzini-Läden, von denen es zwischen San Marco und Rialto an jeder Ecke einen gab ist mittlerweile nichts mehr zu sehen.
Hinter dem Markusplatz in Richtung des La Fenice und auf Dorsoduro kann man aber immer noch die kleinen Imbissläden finden, in denen man die komplette Familie für unter 15€ versorgen kann.

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Nun kommen wir aber zum vermeintlichen Höhepunkt meiner Reise; der legendären Buchhandlung Acqua Alta…

Die Fotos dieser Buchhandlung, die sich selbst als „die schönste Buchhandlung der Welt“ bezeichnet geistern ja seit Jahren durchs Internet und lassen Leserherzen höher schlagen.

Ich hatte mich wirklich sehr darauf gefreut, sie endlich selbst zu sehen, aber sehr schnell setzte eine gewisse Enttäuschung ein.

Zunächst einmal… Das Acqua Alta ist sehr, sehr voll…
Nicht nur mit Büchern, sondern eben auch mit Touristen. Die Gänge sind so eng, daß man sich kaum an den Leuten vorbeidrücken kann, sondern daß man sich eigentlich gegenseitig immer weiterschiebt. Es ist also fast unmöglich, kurz in einem Buch zu blättern.
Die berühmte Büchertreppe habe ich auch nur durch die Tür gesehen, denn es standen so viele Leute darauf, daß ich schon dachte, bald würde alles zusammen brechen.

Natürlich habe ich auch versucht, ein paar gute Fotos für euch zu machen, trotzdem hätte ich mich den Büchern gerne ein bißchen mehr gewidmet. Allerdings wurde ich dann schon wieder von der nächsten Gruppe Touristen fast aus dem Laden geschoben, die nur genervt meinten: „Okay, I think I have enough cute pictures! Now, let’s get the hell out of here!“

Zeitweise musste der Zugang zur Buchhandlung sogar begrenzt werden, viel gekauft wurde nicht.
Wir haben uns ein paar Postkarten mitgenommen und der Sohnemann hat einen netten Comic gefunden, aber ein erhoffter Schatzfund blieb aus.
Das lag wohl nicht nur daran, daß man ständig weitergeschoben wurde, denn auch die Bücher waren nicht wirklich das Gelbe vom Ei…
Hier wird eindeutig auf billige Masse gesetzt. Die Bücher, die ich in die Hand nahm, fühlten sich schmutzig und schmierig an… Ich hatte kein „Friedhof der vergessenen Bücher“-Erlebnis, bei dem ich das Gefühl gehabt hätte, ich könnte einem alten Buch ein neues Leben schenken… Die Bücher des Acqua Alta haben es zum Großteil schon hinter sich gebracht und liegen auf dem Grund einer Badewanne oder im Hinterhof im Regen und warten darauf, daß das nächste Hochwasser sie mitnimmt

Traurig eigentlich, wenn Bücherträume nicht mit der Realität mithalten können, doch die Buchhändler von Venedig haben mich nicht im Stich gelassen und deshalb möchte ich euch im nächsten Beitrag zwei meiner Favoriten vorstellen, von denen noch keine millionen Bilder durchs Internet geistern.
Ich hoffe, ihr schaut auch dann wieder vorbei. 🙂

Wie sieht das bei euch aus?
Wart ihr schon mal im „Acqua Alta“ und habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, oder wart ihr im siebten Bücherhimmel?
Ich bin gespannt auf eure Berichte.

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Hier könnt ihr lesen, wie alles begann:

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In vollen Zügen nach… Venedig Tag 1: Wilde Reise durch die Nacht

Und hier, wie es weitergeht:

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In vollen Zügen nach… Venedig Tag 3: Im Licht der Lagune

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

19 Kommentare zu „In vollen Zügen nach… Venedig Tag 2: Acqua Alta“

  1. Hi. Tut mir leid, dass die Buchhandlung so eine Enttäuschung war. Freunde von uns waren mal in der berühmten Buchhandlung in Porto, aber dort wurde Eintritt (Gutschein) verlangt, damit die *Gäste* nicht nur zum Fotografieren fix rein und alles verstopften.
    Vielleicht der bessere Weg.
    Wenn man Buchschätze sucht, denke ich, ist man in Antiquariaten wohl mittlerweile besser aufgehoben. Es gibt ja genug, die aus Buchhandlung und Antiquariat (nicht das *moderne Antiquariat*!) eine Kombination machen, auch als Gegenpol zu den Massenläden.
    Aber sonst scheint ja Venedig trotzdem eine Reise wert gewesen zu sein.
    Liebe Grüsse
    Nina

    Gefällt 1 Person

    1. Naja… An sich ist das Aqua Alta ja ein Antiquariat. Aber der Großteil des Sortiments bestand aus zerlesenen Taschenbüchern und leicht feuchten Micky Maus Heften. Es gab auch ein paar deutsche und englische Bücher und die Qualität war in etwa so wie wenn man aussortiert, was nach einem Jahr in einem öffentlichen Bücherschrank immer noch nicht gratis mitgenommen wurde. Es hat auf mich stellenweise ein bißchen den Eindruck gemacht: alles rein, Hauptsache es sind viele Bücher da.
      Schade, weil Antiquariate mit ein bißchen Mühe und Liebe wirklich ganz wunderbar sein können.

      Gefällt 4 Personen

  2. Hallo Andrea,

    vielen Dank für den ehrlichen Bericht. Es tut mir leid, dass Du enttäuscht warst, aber außerhalb des Karnevals wäre es vielleicht doch besser gelaufen. Ich war vor vielen Jahren (1998?) beim Karneval in Venedig und kann mich erinnern, dass die nettesten Momente die waren, die wir abseits des Trubels in einer Seitengasse verbracht haben. In der Zwischenzeit sind die Besucherzahlen sicher nicht gesunken…
    Meinen ultimativen Book-Moment hatte ich vor einigen Jahren im kleinen Städtchen Hay-On-Wye an der Grenze zwischen Wales und England. Dort ist ein Buchhändler 1961 auf die Idee gekommen, seinen Heimatort zur Bücherstadt auszurufen, und heute gibt es nicht nur 40 Buchhandlungen (vor allem Antiquariate), sondern auch ein Literaturfestival (Ende Mai/Anfang Juni). Ich war zwar im Juli dort, aber es war auch das toll: viele interessante und kostengünstige Angebote, offene Bücherschränke, wo man sich gegen eine kleine Spende bedienen kann, und eine malerische Umgebung. Ganz sicher einen Besuch wert!

    Liebe Grüße
    Niamh

    Gefällt 2 Personen

  3. Dieser Laden floriert, seit es social media gibt und Tourist*innen ohne wirklichen Bezug zu Büchern und deren Zweck und Sinn die Bude pittoresk fanden und ins www stellten. Und alle rennen dieser „Information“ vom „schönsten Buchladen“ hinterher.
    Man kann es weder Buchhandlung noch Antiquariat nennen. Es ist ein feuchter Raum mit Vorder- und Hintertür, voller verrottender Bücherstapel, die sich nicht nur nach nassem Staub anfassen, sondern vor allem nach Schimmel riechen (und sicher jede Menge Schimmelsporen emittieren). Ich kennen keinen Ort, der weniger zum Lesen animieren könnte, geschweige denn zum Erwerb eines Buches. Jede*r wirkliche Bibliophile verlässt das Lokal mit Grausen.
    Soviel zum Stichwort ‚Buch‘. Zum Stichwort ‚Handel‘ ist zu sagen: die Bekanntheit in den social media bewirkt hier unsägliche Phantasiepreise. Aber wer normalerweise keine Bücher kauft, kann diesen Wucher vielleicht gar nicht einschätzen.

    Bin gespannt auf Deine Empfehlungen zum venezianischen Buchhandel. In den letzten Jahren haben einige Läden geschlossen, aber es wurden auch neue (mit Zusatzsortiment, oder Café und dergl. eröffnet.
    Schöne Grüße!

    Gefällt 2 Personen

  4. Venedig steht noch auf meiner Reiseliste. Ich muss ja gestehen, dass ich von der Buchhandlung Acqua Alta erst von dir gehört habe. Schade dass es so überlaufen ist, aber einen kleinen Blick würde ich da auch gerne rein werfen.
    LG Kerstin

    Gefällt 1 Person

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