Review: Ein Wunder alle hundert Jahre

Alle hundert Jahre ereignet sich auf einer kleinen Insel im Norden der USA ein spektakuläres Naturschauspiel: abermillionen winziger Krebstierchen suchen eine versteckte Bucht auf, um dort zu laichen und dabei das Meer zum Leuchten zu bringen.
Die Presse nennt es das „Jahrhundertwunder“ und die Wissenschaftler arbeiten Tag und Nacht um das seltene Phänomen zu erforschen.
Eine von ihnen ist Dr. Rachel Bell, doch sie ist aus sehr persönlichen Grünen an dem Wunder interessiert. Denn seit sie als Kind starke Verbrennungen erlitten hat leidet sie ständig unter Schmerzen und laut den Legenden der Ureinwohner soll das leuchtende Wasser heilende Wirkung besitzen.
Doch die alten Geschichten erzählen auch von den Gefahren, die das Wunder mit sich bringt… Gefahren, die Rachel nur all zu gerne ignoriert, und dadurch sich und die Menschen in ihrer Umgebung in höchste Gefahr bringt…

Die Geschichte klang wirklich spannend, aber schon nach ein paar Seiten merkte ich, wie sehr ich mit diesem Buch zu kämpfen hatte.
Ich bin normalerweise niemand, der über den Schreibstil eines Buches urteilt, es sei denn, er fällt mir besonders positiv oder negativ auf. Bei „Ein Wunder alle hundert Jahre“ war leider letzteres der Fall.
Anfangs dachte ich, daß die Geschichte einfach recht unbeholfen übersetzt wurde und habe sogar noch die Anstrengung unternommen, es mir beim Lesen simultan zurück ins Englische zu übersetzen, aber die Metaphern und Dialoge wurden auch dadurch keinen Deut besser. Dazu kommen dann noch einige Rechtschreibfehler, zum Beispiel steht da „Ist erinnere mich.“ statt „Ich erinnere mich.“
Als ich Kollegen davon erzählte, hörte ich von allen Seiten: „Was, bei btb?!? Da sind wir aber Besseres gewohnt!“

Irgendwann habe ich meinen Kopf dann soweit abgeschaltet, daß ich das Buch einfach gelesen habe, ohne groß nachzudenken. So, als wäre ich im Urlaub und hätte einfach irgendwas mitgenommen, von dem ich mir nicht viel erwartet hätte.
Der Stil ist nicht besonders schön, die Charaktere nicht sehr sympathisch, die Geschichte an sich aber nicht schlecht.

„Ein Wunder alle hundert Jahre“ ist ein Buch, das man getrost durchblättern kann wenn man es im Urlaub in einem Bücherschrank findet, für Liebhaber guter Literatur allerdings eher eine Enttäuschung… Schade.

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 20 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit 2017 gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

7 Kommentare zu „Review: Ein Wunder alle hundert Jahre“

  1. Ach wie schade, das Buch hatte ich auch schon im Blick und die Geschichte hat mich wirklich sehr gereizt. Wenn so viele Fehler im Text sind, macht mir das ein Buch auch oft madig. Und wenn dann auch noch die Charaktere nicht ansprechend sind… 😣 das hörte sich so vielversprechend an!

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    1. Nein, leider… Ich war auch sofort in das Cover verliebt und die Geschichte hat sich wirklich gut angehört, aber der Stil war so anstrengend… Die Autorin benutzt zum Beispiel ständig Bilder und Metaphern, die überhaupt keinen Sinn machen oder für die Situation absolut unpassend sind.
      Ich fands echt schade, weil die Geschichte wirklich nicht schlecht war. Hätte man da noch ein paar Monate Arbeit mit einem guten Lektor reingesteckt hätte es echt was werden können. Aber so hatte ich das Gefühl: first draft… passt schon… 🤔

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  2. Die Sache mit den Druck- und Satzfehlern beschäftigt mich auch gerade. Eines der letzten Bücher, die ich gelesen habe, war nur so gespickt mit Fehlern, und zwar solchen, die die Autokorrektur normalerweise nicht entdeckt, nämlich zusätzlichen oder fehlenden Wörtern. Das Buch war eine Übersetzung, und ich hab die Fehler bei der Rezension unerwähnt gelassen, denn ich denke mir, was kann der Autor/die Autorin dafür, dass der (ebenfalls renommierte) Verlag schlampig arbeitet. Den Übersetzer_innen will ich es auch nicht anlasten, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es fast unmöglich ist, solche Fehler in der eigenen Übersetzung zu finden, das muss immer jemand Korrektur lesen. Das Hauptproblem ist, glaube ich, dass die Verlage, wie alle anderen, an allen Ecken und Enden sparen – schade!

    Gefällt 3 Personen

    1. Bisher hab ich solche Fehler nur bei „Schnellschüssen“ entdeckt. Also bei Büchern, die noch ganz schnell zu einem Film oder aktuellen Thema gemacht wurden. Da ist es ja verständlich…
      Bei diesem Buch hatte ich manchmal fast das Gefühl, daß es im Verlag bestenfalls überflogen wurde. Trotzdem… Nur an der Übersetzungen lag es da wohl wirklich nicht. Manche Dialoge waren einfach schrecklich banal, die denkt sich kein Übersetzer aus. Und auch immer die Vergleiche… Da will sich eine Frau umbringen und der Typ meint, daß ihre Frisur aussah, als wäre sie von irgendeiner Jedi Macht zusammen gehalten…
      Solche Vergleiche fand ich in der Situation einfach nur peinlich unpassend.

      Gefällt 1 Person

  3. Hi. Ja, Fehler gibt es immer häufiger auch in Büchern renommierter Verlage. Aber wenn ich mir vorstelle, wie viel Neuerscheinungen es jedes Jahr gibt….
    Schlechten Stil toleriere ich nicht mehr. Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher
    Besonders schade, wenn sich ein Thema so gut anhört.
    Liebe Grüße
    Nina

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    1. Bisher hatte ich wohl eher Glück, was Fehler angeht… Oder es waren Leseexemplare aus der Arbeit, bei denen bin ich eh nachsichtiger. Gerade Diogenes hat ja einen ziemlichen Vorlauf mit den Leseexemplaren und als ich da mal einen kleinen Fehler in einem Buch entdeckt habe, hab ich einfach an die Kontakt-Emailadresse geschrieben und hatte gleich am nächsten Tag die Antwort, daß der Fehler auch schon intern aufgefallen war und sie das noch ändern konnten.
      Bei „Ein Wunder alle hundert Jahre“ hätte man aber nochmal ganz von vorne anfangen müssen.
      Naja… Wenigstens war es dann recht schnell zu lesen, aber als Kunde hätte ich mich geärgert.

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