Meine Liste der Schande

An manchen Tagen scheinen die Beratungsgespräche in der Buchhandlung perfekt zu laufen. In all der Titelflut zeigt der Kunde nur auf Bücher, die man gelesen und geliebt hat und man kann nach Herzenslust schwärmen… Man empfiehlt ein Buch nach dem anderen, der Stapel in den Armen des Kunden wird immer höher und seine Augen leuchten… In diesen Momenten fühle ich mich wie die Königin der Bücherwelt!

Doch dann kommt der Moment der Wahrheit: der Kunde erwähnt einen Klassiker, oder einen Literaturnobelpreisträger, den ich eigentlich schon vor Jahren hätte lesen müssen und ich kann nur mit den Schultern zucken.
Der Kunde ist enttäuscht und meine credibility dahin…

Natürlich kann ich nicht jedes Buch gelesen haben.
Wer eine grobe Ahnung davon hat, wieviele Bücher jedes Jahr erscheinen, kann sich ausrechnen, daß da für all die Highlights die erschienen sind, bevor ich lesen konnte wenig Zeit bleibt, wenn ich up to date bleiben will.

Und versteht mich nicht falsch!
Ich habe verhältnismäßig viele Klassiker gelesen!
Allerdings hatte ich keinen Deutsch Leistungskurs und auch kein Literaturstudium.

In der Realschule haben wir vielleicht zwei, drei Klassiker gelesen und jeder von uns sollte ein Referat über einen weiteren halten.
Ich habe diese Referate geliebt und tatsächlich viele Bücher von der Liste einfach nur für mich gelesen. „Homo faber“, „Der Erwählte“, „Der zerbrochene Krug“,… – alles Bücher zu denen mich niemand gezwungen hat.

An der FOS sah es mit der Lektüre auch eher mau aus. Im Sommer saßen wir im Schulgarten und hörten unserem Lehrer zu, der uns den „Vorleser“ vorlas… Das war wirklich schön, aber richtig ausgelastet war ich nicht.
Wann immer ein Lehrer ein Buch erwähnte landete es auf meiner Liste.
„Der Name der Rose“ habe ich nur gelesen, weil ein Lehrer meinte, wir wären zu dumm, es zu verstehen. „Menschenkind“ von Toni Morrison war ein Tipp von einem ziemlich angetrunkenen Musiklehrer…

Als ich dann mit meiner Ausbildung zur Buchhändlerin anfing wurden die Leselisten zwar ein klein wenig länger (wenn auch nicht viel… an der Frankfurter Buchhändlerschule ist die Liste wesentlich länger!), aber nach zwanzig Jahren „Effi Briest“ hatte unser Literaturkundelehrer wohl den Punkt erreicht, an dem er eher unbekanntere Bücher der großen Literaten durchnahm, um sich selbst nicht ganz so schrecklich zu langweilen.

Später, als ausgebildete Buchhändlerin hatte ich dann eben alle Hände voll damit zu tun, mich durch die Neuerscheinungen zu arbeiten und tatsächlich kommt es sehr selten vor, daß man eine wirklich anspruchsvolle Klassikerberatung machen muss.

Trotzdem versuche ich jedes Jahr an meinen Lücken zu arbeiten…
Und da gibt es noch erschreckend viele!
Ich habe noch nie etwas von Dostojewski oder Tolstoi gelesen! (Es sei denn, das „Anna Karenina“-Hörbuch zählt?)
Auch bei spanisch- und französischsprachigen Autoren sieht es düster bei mir aus…

Deshalb habe ich irgendwann angefangen, eine Liste zu machen, die ich humorvoll meine „Liste der Schande“ nenne.
Darauf stehen all die Titel und Autoren, die ich wirklich irgendwann mal lesen muss!
Wenn ich also im Beratungsgespräch mit einem Kunden zugeben muss, noch kein einziges Buch von Mario Vargas Llosa gelesen zu haben, sage ich gleich: „Aber er steht auf meiner Liste der Schande!“
Dann lachen die Kunden und mit einem Augenzwinkern kann man weiter beraten.

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Jedes Jahr können ein paar Bücher von meiner Liste der Schande gestrichen werden. Dieses Jahr waren es zum Beispiel: „To Kill a Mockingbird“, „A Moveable Feast“ und Der Report der Magd.

Ich habe nicht das Gefühl, daß es etwas ist, was ich für die Kunden mache. Ich mache das hauptsächlich für mich. Denn diese Bücher sind nicht umsonst zu Klassikern geworden, und auch wenn mich einige Werke nicht wirklich überzeugen können, ist es manchmal faszinierend zu sehen, woher bestimmte Referenzen kommen. Und manchmal versteht man auch einfach nur einen Witz mehr bei den „Simpsons“… 😉

Wie sieht es bei euch aus?
Lest ihr Klassiker auch wenn euch niemand dazu zwingt? 😉
Habt ihr manchmal das Gefühl, daß ihr literarische Wissenslücken dringend schließen solltet?
Enttäuschen euch Klassiker, oder begeistern sie euch?

Ich wünsche euch noch einen schönen zweiten Advent! 🙂

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Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

55 Kommentare zu „Meine Liste der Schande“

      1. Ja.
        Die Kunden finden das sicher lustig, wenn man es mit einem Augenzwinkern formuliert.
        Ich trainiere nur positiv zu formulieren, oft fällt einem als erste Möglichkeit eine eher negativ besetzte Formulierung ein, die drehe ich dann ins Positive … das tut einem SELBST gut!
        Wir kennen das ja alle: „Ach bin ich blöd…“, „Das hätte ich aber wissen müssen“, „Ich Idiot…“, usw. … wenn man das zu lange oder zu oft macht glaubt man es mit der Zeit …

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  1. Ich habe zwar den Deutsch-Leistungskurs absolviert, aber da kann man auch nicht alle Klassiker besprechen. Und das, was wir in den zwei Schuljahren bekamen, war eine recht magere Ausbeute.
    Auf meiner Liste der Schande steht auch „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley oder „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. Von Umberto Eco habe ich „Das Foucaultsche Pendel“ geschafft, aber ob ich mir dann noch „Der Name der Rose“ geben soll … ich weiß nicht, habe ich doch die Verfilmung ERST vor wenigen Wochen zum ersten Mal im Fernsehen gesehen.

    Aber der Großteil der „Klassiker“ habe ich aus freien Stücken gelesen – Thomas Manns „Buddenbrooks“ zum Beispiel oder Hermann Hesses „Siddhartha“ und „Der Steppenwolf“, nachdem wir „Unterm Rad“ in der Schule behandelt hatten. „Demian“ habe ich auch freiwillig gelesen und es ist das Beste, was ich von Hesse gelesen habe.

    Eindeutig: Das Leben ist viel zu kurz, um alle Bücher gelesen zu haben. (Leider!)

    Liebe Grüße aus Wien

    … ach, da fällt mir ein, dass ich Heimito von Doderers „Die Strudlhofstiege“ auch auf meiner speziellen Liste gesetzt habe.

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  2. huhu,

    ich denke, wenn man einen Job in diesem Bereich hat, ist das sicher nochmal etwas anderes. Ich habe so viele Bücher in der schule oder Uni lesen müssen, die ich alleine nicht unbedingt gelesen hätte, da ist es jetzt mal an der Zeit einfach nur noch das zu lesen, worauf man auch wirklich Lust hat 🙂

    Liebe Grüße und einen schönen ersten advent

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  3. Hey, ich habe trotz Literaturstudium nie eine wirkliche Leidenschaft für Klassiker entwickeln können. Einige gefallen mir, aber wenn ich auf das Foto mit deiner Liste blicke und mir Titel wie „Die Verwandlung“ oder „Ulysses“ ins Auge springen, denke ich nicht, dass es eine Liste der Schande ist, wenn du noch nicht dazu gekommen bist, diese Werke zu lesen. Ich bin froh, dass wir in einer Zeit leben, in der es auch andere Literatur gibt, die mich glücklicher macht als so mancher Klassiker.
    Vielleicht liegt mein Desinteresse an Büchern von Kafka aber auch daran, dass man mich bisher immer gezwungen hat diese Bücher zu lesen, sei es für die Schule gewesen oder später fürs Studium. Ich möchte mich immer gerne aus freien Stücken für ein Buch entscheiden und bis auf Jane Austen haben es bisher wenige Klassiker in mein Herz geschafft 🙂
    Einen schönen 2. Advent dir und liebe Grüße
    Janika

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  4. Ich lese Klassiker sehr gerne. Früher habe ich immer einen großen Bogen darum gemacht, weil ich immer Klassiker mit Langweile verbunden habe – das Resultat unseres Deutschunterrichts. Aber seit wenigen Jahren hole ich das mit Begeisterung nach. Bisher am meisten beeindruckt hat mich „Schau heimwärts, Engel“ vom Thomas Wolfe. Das Buch lässt mich bis heute nicht mehr los. 🙂

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  5. Tolle Idee! Ich musste im Deutsch-LK damals SEHR viele Klassiker lesen. Noch dazu war mein Vater Deutschlehrer und die Dinger begegneten mir überall 😉 Ich würde also behaupten, ich habe eine gute Grundlage. Die reicht mir auch völlig. Hin und wieder greife ich mal zu einem ungelesenen Klassiker, aber das passiert eher selten.

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  6. Ich als Kundin im Buchladen erwarte gar nicht, dass die Buchhändler alles gelesen haben. Das geht doch gar nicht bei der Masse an Literatur, auch nicht bei Klassikern. Was ich vielleicht erwarte, ist, dass im Buchladen ein paar Tage nach der Verleihung des Literaturnobelpreises jemand zumindest weiß, von wem ich spreche. Aber auch die versiertesten Leser werden nicht alles kennen. Ich als Bücherbloggerin habe aber manchmal auch ein schlechtes Gewissen, weil ich keine russischen Klassiker und noch NICHTS aus Südamerika gelesen habe. Mein Schwerpunkt liegt aber eben auf angelsächsischer Natur. Alles nicht schlimm 🙂

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  7. Ich habe im Englisch Leistungskurs Shakespeare gelesen und Harold Pinter (ist letzterer ein Klassiker? Keine Ahnung), im Deutsch LK die Bühnen Klassiker (Minna von Barnhelm, Wallenstein, etc). Und „Der Fänger im Roggen“, das fand ich übrigens todlangweilig. Viel mehr fällt mir gar nicht ein, ist aber auch schon eine ganze Weile her, mein Abitur 😉 Brecht war noch dabei, natürlich „Mutter Courage“ In der neunten, zehnten Klasse haben wir „Schöne neue Welt“ und „Kleiner Mann, was nun“ gelesen, ausserdem „Deutschstunde“ und „Andorra“. Witzig, jetzt, wo ich drüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich in der Sekundarstufe mehr Klassiker kennengelernt habe als später im LK.
    Vor einiger Zeit habe ich mit grosser Begeisterung „Sturmhöhe“ gelesen.

    Ansonsten kann ich nur sagen, nein, du kannst nicht alles gelesen haben. Und das nimmt dir wohl auch kein Kunde ernsthaft übel 😉 Ich komme aus der Reisebranche und kann mich nicht erinnern, dass ein Kunde von mir nicht mehr beraten werden wollte, wenn er hörte, dass ich selbst noch nicht an dem Ort war, zu dem er reisen wollten. Natürlich berät man anders, wenn man das Ziel selbst kennt. Allerdings habe ich z.B. einmal eine Kreuzfahrt gemacht, zum Kennenlernen, und stellte fest, dass ich diese Reiseart so gar nicht mag. Kreuzfahrten erfolgreich verkaufen ging aber trotzdem 😉

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  8. 😀 😀 Mir gefällt die Idee einer „Liste der Schande“ sehr. Da sammeln sich bei mir auch einige Bücher, die ich wirklich gern lesen will – sei es, weil ich viele gute Sachen drüber gehört habe und mich das Thema interessiert, oder weil es quasi Allgemeinwissen ist zu wissen, wovon das Buch handelt, wer bestimmte berühmt-berüchtigte Charaktere sind und worauf bspw. bestimmte Buchreferenzen zurückgehen (die Gretchenfrage lässt grüßen …) Und wenn ich dann auch noch irgendwelche Listen mit hunderten Büchern, die jeder unbedingt im Laufe seines Lebens gelesen haben sollte, durchstöbere, ärgert es mich schon ein bißchen, wenn ich den Großteil (noch) nicht gelesen habe. Ich versuche, mehr oder weniger regelmäßig einen Klassiker mit auf die Leseliste zu setzen, um gewisse Defizite zu bekämpfen, und ich merke auch, dass ich manchmal richtig Lust drauf habe – denn dazu zwingen würde bei mir ohnehin nicht funktionieren … 😀 Liebe Grüße und einen schönen zweiten Advent!

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  9. Hi! Schande ist ein großes Wort! Ich fand es immer furchtbar, wie vorausgesetzt wurde, was man alles zu wissen und gelesen haben muss. Wenn man sich davon befreit, was man lesen muss, geht man doch entspannter dran. Und wenn mir jetzt sozusagen etwas in den Schoß fällt, macht es mehr Spass.
    Auch Dir einen schönen Adventssonntag und viel Spass
    Nina

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  10. Es ist eine Sache, für den Markt zu lesen, um Kunden beraten zu können, eine ganz andere, sich durch die Weltliteratur zu arbeiten. Vieles, was gerade auf den Büchertischen steht, ist ja in einem Jahr wieder vergessen. Aber es stimmt, dass der richtige Zeitpunkt für ein Buch kommen muss und ja, das Hörbuch oder auch der Film zählen bestimmt als Einstieg.

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  11. Na dann… ran an den Speck: Schuld und Sühne von Dostojewski…kann ich empfehlen! 😉
    Ansonsten: Es ist wie es ist!

    Wenn du 80 bist und hast dann bestimmte Klassiker in deinem Beruf noch nicht gewälzt… das wäre vielleicht was anderes. Aber dennoch… hier schließe ich mich an: es ist keine Schande, sondern schlichtweg menschlich und zeigt die realen Grenzen auf…
    Liebe Grüße und weiterhin viel Freude beim Lesen!!

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  12. Die Sache mit den Klassikern…
    Sagen wir es einmal so: Ich liebe Klassiker, hauptsächlich aber nur die englischen, die anderen sprechen mich einfach nicht an.

    Bspw. liebe ich Jane Austen, die Bronte-Schwestern, Frances Hodgson Burnett, Henry James… Mit diesen Autoren kann ich tatsächlich etwas anfangen und ich lese sie auch gern immer wieder.

    Wenn es dann um die Muttersprache geht, bevorzuge ich lieber die klassische Lyrik. Die Romane kann ich leider nicht ab. Die Buddenbrooks bilden da die einzige Ausnahme. Und natürlich auch „Die Physiker“, wobei ich da nicht weiß, ob dieses Buch wirklich zu den Klassikern gehört, ist aber so wie so ein Drama und somit wieder was andres.

    Amerikaner habe ich bisher noch nicht gelesen, habe aber vor, mir irgendwann noch einmal „The Great Gatsby“ vorzunehmen. Aber Autoren wie Hemingway sprechen mich einfach nicht an.

    Alle anderen Länder nehme ich mir gar nicht vor, es sei denn, es wird mir auf biegen und brechen empfohlen. So kam ich bspw. an eine katalanischen Autorin, die zwar keine Klassiker schreibt, aber deswegen nicht minder gut ist: Care Santos und ihr Roman »Die Geister Schweigen«.

    Also wenn jemand gute Klassiker hat, immer her damit. Ich schau sie mir mal an!

    Aber ich habe so nie das Gefühl gehabt, eine Literarische Wissenslücke zu haben. Denn bei Klassikern verhält es sich eben wie bei den Neuerscheinungen: Nicht alles ist auch mein oder dein Fall. Aber deswegen ist man nicht minder belesen oder/oder gebildet.

    Aber dein Beitrag hat mich mal wieder zum Nachdenken angeregt und finde das Thema an sich sehr interessant. Danke dafür!

    Dir noch eine schöne kommende Woche und ich hoffe, du hattest einen angenehmen zweiten Advent!
    Liebe Grüße,
    Anne.

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  13. Es ist ein schöner Gedanke für mich, manche Orte noch nicht besucht, bisher nicht alle Geschmäcker geschmeckt und nicht alles „durch“ und hinter mir zu haben – so vieles gibt es noch zu entdecken, auf das ich mich freuen, auf das ich neugierig sein kann. – Meine Liste der ungelesenen Bücher ist lang, auch einige russische Klassiker gehören dazu; und dann kommen ja auch noch die Neuübersetzungen – versprechen sie auch eine ganz neue Leseerfahrung, ergänzen sie bereits Erlesenes? Oder: wie häufig habe ich nach Jahren ein Buch, das ich zu kennen glaubte. wieder zur Hand genommen, um darin Aspekte zu finden, die ich vor dem früheren Erfahrungshintergrund gar nicht wahrgenommen hatte, die mir aber nun ganz wesentlich erscheinen … Überhaupt keine Schande, solch eine „Liste der Schande“ zu führen! 🙂

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    1. Einen der wenigen russischen Klassiker, die ich gelesen habe ist „Der Meister und Margarita“. Die Neuübersetzung fand ich ganz schrecklich… Mein Chef fand sie allerdings besser als die alte… So haben wir uns schon lange nicht mehr gezofft. (Ja… Buchhändler können über sowas streiten. 😉)
      Irgendwann fand ich eine Kundin, die des russischen mächtig war und Bulgakow gelesen hatte, die mir versicherte, daß die alte Übersetzung dem Original mehr entspricht… Trotzdem denke ich bleiben die verschiedenen Übersetzungen in erster Linie eine persönliche Geschmackssache.

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      1. 🙂 Zoff unter Buchhändlern – das wäre ein schönes Thema für eine Geschichte …. (Könnte mir vorstellen, dass sie schon jemand geschrieben hat.) – „Der Meister und Margarita“ ist ein gutes Beispiel. Ich kenne den Übersetzer Alexander Nitzberg noch aus seiner Zeit als Lyriker in Düsseldorf. Seine Lyrik und sein Engagement haben mir viel Freude bereitet. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er etwas ganz Eigenes aus bzw. mit dem Text gemacht hat. Das ist sicher spannend, wenn man sich mit der Analyse von Übersetzungen beschäftigt. Als Leserin möchte ich aber doch lieber einen Text lesen, der dem Original von Michail Bulgakow möglichst nahe kommt.

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  14. In der Schule gings mir auch so: ich hab vieles einfach nur für mich gelesen, einfach weil ich lesen wollte. Dabei kam einiges zusammen. Von Heine über Hesse bis Goethe und Schiller hab ich alles mit Begeisterung aufgesaugt, die meisten Reklamhefte stehen noch bei mir daheim. Mein liebstes Steckenpferd war damals Kriegs- und Nachkriegsliteratur, davon hab ich reihenweise Bücher verschlungen. Im Russisch- und Englisch-LK und im Französisch Grundkurs hab ich auch alles mitgenommen was ging, einfach weil….ja, Bücher halt. Trotzdem fehlen mir auch noch viele Klassiker und Du hast mich grad dazu inspiriert, mir auch so eine Liste anzulegen, um irgendwann mal zu lesen, was ich so verpasst habe. Danke für die Idee ❤

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  15. Hallöchen,
    ich bin auch Buchhändler (bzw. noch Azubi) und kenne genau diese Situationen nur zu gut! Das ist dann oft unendlich peinlich, auch wenn man einfach nicht alles gelesen haben kann. Trotzdem möchte ich mir auch so eine Liste anlegen, hab schon eine kleine, aber … naja, ich finde es schwer, Titel dafür auszuwählen.
    Wie hast du deine Liste der Schande denn angelegt? Hast du eine bestimmte Quelle?
    Liebste Grüße
    Kate ♥

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    1. Das kommt schon mit der Zeit. 😉
      Über die Jahre werden dir Bücher auffallen, die immer wieder nachgefragt werden und die eigentlich immer da sein müssen. Ich mach das ganze ja schon seit 18 Jahren, da gibt es Bücher die all die Jahre immer im Stapel da waren.
      Was ich auch immer schön finde sind Listen wie von „Das große Lesen“ bei dem die ZDF Zuschauer ihre Lieblingsbücher gewählt haben. Wenn du dir mehrere solcher Listen anschaust begegnen dir immer wieder die selben Titel. Mit der Zeit kennst du deine Pappenheimer und dann musst du nur noch drauf warten, bis du auch Lust darauf bekommst. 😉

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  16. Hu hu …

    das ist ja mal ein interessanter Artikel. Und es freut mich umso mehr, dass es auch Buchhändlerinnen gibt, die nicht alles kennen. Ich bin zwar keine Buchhändlerin, aber ich kenne auch nicht alles. Charles Dicken’s „Eine Weihnachtsgeschichte“ habe ich jedoch schon gelesen (eine echt schöne Geschichte), genauso wie „Sturmhöhe“ und zwei Jules Verne-Romane, wenn auch in gekürzter Fassung.

    Ich habe mal einen frisch gekürten Literaturnobelpreisträger gelesen und ich fand die Geschichte einfach nur langweilig. Den letzten – Herr Ishiguro – habe ich jedoch schon gelesen, aber nur wegen dem Film *haha*

    Ich finde das alles total menschlich und wenn Buchhändlerinnen auch so ihre Vorlieben und Abneigungen (franzöische Autoren sind mir auch suspekt) haben, ist es einfach nur sympathisch 🙂

    In diesem Sinne: Einen schönen Abend, liebe Grüße, Elke!

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  17. So genannte „Klassiker“ sind wirklich in einem Dilemma: denn einerseits sind die meisten wirklich super tolle Bücher, gleichzeitig sind sie – oft von Generationen – mit Lob überschüttet, dass man sich kaum noch an sie ran wagt. Oft sind es schwierige Texte, meistens aber wirklich derart gut geschrieben, dass es einem blümerant wird. Mich haben wirklich – und meist überraschend – einige rasend begeistert. Zuletzt vielleicht die Odyssee von Homer (oder wem auch immer), davor den Ulysses von Joyce, und dann kommt viel durcheinander. In Amerika gibt es so gute Schriftsteller/innen, Faulkner war komischerweise einer der ersten, die ich liebte, obwohl ich weder in der Schule noch im Studium irgendeine Ahnung von Literatur hatte. Truman Capote ist unübertroffen, am meisten mag ich die kurzen journalistischen Texte, aber egal, was er schreibt, die Sätze sind wie gemeißelt. Paula Fox ist meine persönliche amerikanische Klassikerin, von Joan Didion lese ich gerne die Essays. Überraschend grandios sind auch zwei Bücher, die gerne als Abenteuer- oder Kinderliteratur missverstanden werden: Die Schatzinsel von dem schottischen Autor Robert Louis Stevenson und natürlich Mobby Dick von Melville (allerdings extrem schwer zu lesen, aber soooooo lohnenswert). Im deutschsprachigen Raum mag ich Schiller mehr als Goethe, Kleist ist mir schwer zugänglich, aber sprachlich der absolute Hammer. Handke ist für mich ein zeitgenössischer Klassiker und Christa Wolf eine ebenfalls sprachlich brillante Lebensbegleiterin. Arno Schmidt kann ich nicht dauernd lesen, aber wenn, mit großem Vergnügen. Da ich Französisch studiert habe, kenne ich zumindest die französischen Klassiker: Montesquieu ist schwierig, weil aus einer sehr fernen Zeit, aber eben auch umwerfend. Balzac ist ein bisschen so wie Schiller: manchmal unerträglich und geschwätzig, aber plötzlich – und als habe er nur eine winzige Drehung gemacht – perfekt. Proust. Ja. Schwierig. Ebenfalls unglaublich. Diderot geht für mich eigentlich nur in der Encyclopédie (aber so lustig und klug), Stendhals „Rot und Schwarz“ habe ich erst neulich überhaupt schätzen gelernt (in der Schule war es eine groooooße Qual). Wolfgang Herrnsdorf empfinde ich ebenfalls als zeitgenössischen Klassiker. – Puh, das ginge jetzt immer so weiter. Irgendwie spüre ich gerade meine buchhändlerische Ader 😉 Das sind natürlich nur sehr eigene Vorlieben und kein Kanon. Aber ich hoffe, dass das eine oder andere Buch auf Deiner Liste steht und Dir in Zukunft Freude macht!

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    1. Ja, ein paar Bücher aus deinem Kanon habe ich schon gelesen. Natürlich die Schatzinsel, wobei ich Moonfleet von Falkner fast besser finde, aber natürlich kennt das in Deutschland kaum jemand. 😉
      Durch Moby Dick bin ich regelrecht geflogen, so spannend fand ich es und das Kapitel in dem das Walöl geknetet wird ist eine der großartigsten Szenen die ich je gelesen habe, obwohl ich mit der Meinung vielleicht ziemlich alleine dastehe. 😉
      Joan Didion ist eine Autorin, die mir die letzten Monate immer wieder begegnet. Ich denke jetzt wird es doch mal Zeit, The Year of Magical Thinking auf meine Liste zu setzen. 🙂
      Danke für deine Anregungen!

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      1. Ja, schau‘ mal. Hast Du auch eine „List of Fame“? Die solltest Du parallel unbedingt auch führen. Von Didion mag ich mehr die frühen Essays, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich so ein Kalifornien-Fan bin. „Sentimentale Reisen“ wäre – jedenfalls für mich – eher was, jetzt höre ich aber auf zu „buchhändlern“… 😉

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  18. Huhu!

    Ich habe keine richtige Liste der Schande, aber ich habe mir vor ein paar Jahren ein englisch-sprachiges Buch gekauft, in dem alle möglichen Literaturpreise aufgelistet sind und welche Bücher in welchem Jahr gewonnen haben. Ich habe mir im Index einige Bücher angekreuzt, wo man an den Seitenzahlen schon sehen kann, dass sie EINIGE Auszeichnungen bekommen haben, die ich aber noch nicht gelesen habe. Ich versuche, wenigstens ab und an eines davon zu lesen, so kam ich zum Beispiel dazu, „Mrs Dalloway“, „Die Blütezeit der Miss Jean Brodie“ und „Der Report der Magd“ zu lesen.

    In meiner Ausbildung zur Buchhändlerin habe ich sogar mehr Klassiker gelesen als im Deutsch-Leistungskurs, aebr es gibt immer noch einige Lücken… Auf deiner Liste sehe ich ein paar, die mich auch noch fehlen! Um „Ulysses“ und „Die Buddenbrocks“ habe ich mich zum Beispiel bisher rumgedrückt.

    Ich habe deinen Beitrag für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs HIER (mein WordPress-Blog) verlinkt!

    LG,
    Mikka

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  19. Es ist wirklich schwierig, alles zu lesen, was einem gefällt und dann darüber hinaus, was man eigentlich auch lesen sollte. Mich würde ja die komplette Liste interessieren. Wahrscheinlich stelle ich zum Teil die gleichen Lücken fest und bekäme noch Ideen.
    Mein Schrank ist voll davon, meine Liste der Wunsch-Lesebücher ist lang. Ich sage mir daher, eines nach dem anderen. Auch bedarf es schon ein bisschen Überwindung, wenn man sich an Klassiker heranwagt, die dann manchmal ihre 500 Seiten und mehr haben. Aber z.B. die Buddenbrocks habe ich verschlungen, bei Manns Zauberberg war ich nahe am Abbruch, manche würden dies sicher umgekehrt sehen. In diesem Jahr habe ich mir Tolstoi vorgenommen. Nur, den habe ich vor 20 Jahren schon mal begonnen und er steht seit Jahren im Regal. Ob ich also meinen Vorsatz einhalten kann oder den Weg der Vorsätze geht. In einem Jahr werden wir es wissen.

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  20. Ich muss gestehen, in der Schule fand ich die meisten Klassiker fürchterlich öde. Viel zu oft habe ich so ein Buch nach wenigen Kapiteln zur Seite gelegt und mir lieber die Zusammenfassung auf Wikipedia durchgelesen – hat auch gereicht, sogar im Deutsch-Leistungskurs ;D Die einzigen Klassiker, die ich mochte, waren „Der Sandmann“ und „Die Verwandlung“ von E.T.A. Hoffmann. Mit Effi Briest und Katharina Blum konnte man mich jagen.
    Das hat mich aber nicht davon abgehalten, ein Literaturwissenschafts-Studium anzufangen, und ich muss sagen: An der Uni gefallen mir die Klassiker deutlich besser. Vielleicht, weil man kürzere Texte oder nur Auszüge liest und weil man nicht wie in der Schule monatelang ein einziges Buch zerpflückt; vielleicht aber auch, weil wir die Werke deutlich tiefgreifender analysieren als in der Schulzeit und dadurch sehr interessante Hintergrundstrukturen zum Vorschein kommen.
    Wie dem auch sei – ich habe mir ebenfalls vorgenommen, meine Wissenslücken zu füllen, was Klassiker betrifft. Sehr oft wird z.B. die Odyssee in irgendeinem literarischen Text als Metapher verwendet – blöd nur, wenn man die nie gelesen hat. Die steht nun jedenfalls ganz oben auf meiner Liste der Schande 😀 Ebenso Don Quixote, da haben wir in einem Seminar das erste Kapitel analysiert; ich wusste gar nicht, dass dieses Buch so unglaublich ulkig ist! Ja, die Uni macht mir auf jeden Fall die alten Klassiker schmackhaft 😀 Ich bin nur froh, dass ich nicht mehr im Buchhandel arbeite und sich mein Tisch unter Neuerscheinungen biegt; so kann ich meine Lesezeit in Ruhe den alten Wälzern widmen. 🙂

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  21. Hallo Andrea und danke für den schönen Beitrag.

    Ich lese fast ausschließlich Klassiker, viele davon immer wieder. Das hat verschiedenste Gründe, aber vor allem haben sie eine Sprache die tiefere Schichten des Seins berührt als die meisten zeitgenössischen Schriftsteller. Und sie haben einen viel klareren Blick auf das Leben als wir heute.

    Ich habe auch einmal darüber geschrieben wieso das so ist, vielleicht interessiert es Dich: https://www.der-leiermann.com/ueber-das-lesen-01/

    Und von Dostojewski und Tolstoi habe ich sehr viel gelesen. 🙂 Ich glaube allein „Krieg und Frieden“ ein dutzend Mal.

    Liebe Grüße,
    Thomas.

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  22. Also dazu könnte ich JAHRELANG Gespräche führen!
    Mir sind immer diejenigen am liebsten, die offen zugeben, dass sie Stifters „Nachsommer“ frustriert aus dem Fenster geschmissen haben. Alles besser als die Typen, die mit Kennermiene seufzen, Kafka wäre ihr Lieblingsautor.
    Was ich nicht kenne und in diesem Leben wahrscheinlich auch nicht mehr lese: „Ulysses“ und „Der Mann ohne Eigenschaften“.

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    1. Am schönsten war ein Erlebnis mit dem sächsischen Großonkel meines Mannes. Da hab ich gerade Jane Eyre gelesen und er wollte wissen worum es geht, also hab ichs ihm erzählt.
      Darauf hin seufzte er nur verzweifelt und meinte in diesem grandiosen Dialekt: „Ach, die arme Jane… Hoffentlich verlässt sie den bald. Wenn der seine erste Frau schon so behandelt, dann macht der das bestimmt auch mit ihr!“
      So… Eine der größten Liebesgeschichten überhaupt in zwei Sätzen zerstört! 😂

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      1. Ach, großartig:-)
        Meine Schwester hat ja mal „Rebecca“ gelesen von Daphne du Maurier… und auf der buchstäblich letzten Seite geht ja das Schloß Manderlay, Wohnsitz der Hauptfigur, in Flammen auf… und meine Schwester war noch irgendwo in der Mitte, ganz atemlos vor Spannung, da kam harmlos meine Mutter des Weges: „Na, brennt Manderley schon??“

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  23. Moin Andrea!
    Ich stolpere auf Deiner tollen Seite immer wieder über Themen, die mich überraschen und ansprechen („Liste der Schande“: mega-witzig),…
    …und wenn Du einverstanden bist, dann nehme ich mir daraus die Impulse und mache etwas Eigenes für meinen Blog daraus!
    Ich habe die Klassiker in den letzten Jahren für mich wiederentdeckt – dazu zähle ich auch die Lyrik: Einerseits kann ich hier aus einer Fülle wählen, die ihresgleichen sucht, und zudem sind die Klassiker häufig auch recht günstig auf dem Buchmarkt zu erhalten. Andererseits liebe ich die Art und Weise, wie mit der Sprache umgegangen wird: Dir Formulierungen sind eleganter, die Beschreibungen subtiler, die Wortwahl poetischer – eine wahre Freude (Eine ähnliche Freude empfinde ich, wenn ich mir Filme und Fernsehspiele aus den 50er-/ 60er Jahren anschaue, bei denen Schauspieler mitwirken, die noch sprechen konnten).
    Mein persönlicher Seelenöffner vor einigen Jahren war „Die Elenden“ von Victor Hugo: Ich glaube, dass mich das Lesen dieses Epos verändert hat.
    Liebe Grüße
    Andreas

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    1. Grüß dich Andreas,
      natürlich kannst du meinen Beitrag als Anregung für etwas Eigenes nehmen!
      Ich bin schon gespannt.
      Ja, Klassiker sind schon immer etwas Besonderes. Meine Liste der Schande habe ich dieses Jahr auch wieder sträflich vernachlässigt, aber ich muss sie auch bald mal wieder in Angriff nehmen.
      Liebe Grüße zurück,
      Andrea

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