Review: Leere Herzen

Wahnsinn!
Ich hätte nicht gedacht, daß mich dieses Jahr noch ein Buch so schockieren könnte wie Der Report der Magd, doch Juli Zeh kommt mit „Leere Herzen“ verdammt nah dran.

Deutschland in wenigen Jahren… Mittlerweile regiert das „Bündnis Besorgter Bürger“ (AfD und PEGIDA lassen grüßen), die nach und nach die Grundpfeiler der Demokratie im Sinne der Effizienz abschaffen…

Britta interessiert sich nicht für Politik. Sie ist eine liebevolle Ehefrau und Mutter, die eine kleine, aber sehr erfolgreiche Heilpraxis leitet.
Mithilfe eines Algorithmus durchsucht sie Internet und Darkweb um potenzielle Selbstmörder zu finden. Diesen bietet sie eine kostenlose Therapie an.
Den überwältigenden Anteil ihrer Patienten kann Britta heilen und einige spenden auch etwas Geld für ihre Organisation mit dem Namen Die Brücke, doch es sind die hoffnungslosen Fälle, die das Geschäft lukrativ machen.
Absolut entschlossene Selbstmörder vermittelt die Brücke an terroristische Vereinigungen. Egal, ob Islamisten, Ökoaktivisten oder Separatisten… Der Terror hat sich zu einem Geschäft entwickelt.

Gewissensbisse hat Britta keine. Schließlich werden die maximalen Opferzahlen vertraglich geregelt, Kollateralschäden vermieden und sie gibt verzweifelten Menschen einen letzten Sinn im Leben…

Doch dann kommt es zu einem Anschlag, der nicht von der Brücke abgewickelt wurde.
Offenbar hat Britta Konkurrenz auf dem Terrormarkt bekommen und plötzlich wird ihr durchorganisiertes Leben komplett auf den Kopf gestellt…

Ich bin immer noch ziemlich geplättet von „Leere Herzen“.
Das Buch ist gerade deshalb so verstörend, weil alles absolut nachvollziehbar klingt.
Über den Schluss werde ich noch ein wenig nachdenken müssen, aber ich kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen!

 

Mehr von Juli Zeh findet ihr hier:

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Review: Neujahr

Autor: Lesen... in vollen Zügen

Seit 19 Jahren arbeite ich als Buchhändlerin in München und seit knapp einem Jahr gibt es nun "Lesen... in vollen Zügen". Hier möchte ich euch vorstellen, welche Bücher mich gerade bewegen. Meine Beträge verfasse ich im Plauderton, eben so, wie ich auch mit meinen Kunden im Laden ins Gespäch komme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktueller deutsch- und englischsprachiger Literatur. Aber ich bin auch ein großer Fan von schönen Illustrationen und stelle deshalb regelmäßig Graphic Novels und spannende illustrierte Sachbücher vor. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Haruki Murakami, Banana Yoshimoto und Amélie Nothomb. Außerdem mache ich mir immer wieder Gedanken zum Thema Leseverhalten in der Rubrik Mein Leben als Leser und plaudere aus dem Nähkästchen in Bekenntnisse einer Buchhändlerin. Wem jetzt aber die Züge bei "Lesen... in vollen Zügen" zu kurz kommen, der kann gerne bei In vollen Zügen nach… vorbei schauen. Hier berichte ich von meinen Zugreisen, den Büchern, die mich dabei begleiten, den Städten die ich besuche und natürlich auch von schönen Buchhandlungen, die es dort zu entdecken gibt.

20 Kommentare zu „Review: Leere Herzen“

  1. Ich habe das Buch auch schon ins Auge gefasst. Aber manchmal schreibt Frau Zeh so spröde…

    Den Gedankengang, zum Selbstmord entschlossenen Menschen einen letzten Sinn zu vermitteln, finde ich in sich auch nicht ganz schlüssig..

    Dennoch: Nach diesem Beitrag werde ich um „Leere Herzen“ wohl nicht umhinkommen. 🙂

    Gefällt 3 Personen

    1. Natürlich ist das Buch ein Gedankenspiel… Anfangs kommt es einem etwas weit hergeholt vor aber je mehr die Vorgehensweise erklärt wird, desto schlüssiger scheint alles zu werden.
      Was ich absolut spannend fand ist, daß solche Bücher meistens 50 oder 100 Jahre in der Zukunft spielen, während das hier in acht oder zehn Jahren spielt.

      Gefällt 1 Person

      1. Schon klar, auch „Corpus Delicti“ z.B. war ein Gedankenspiel und trotzdem bei genauerem Hinsehen bereits erschreckend nah an der Realität.

        Na, wie gesagt, ich schaue es mir mal an und tue meinen Eindruck kund. 🙂

        Gefällt 1 Person

  2. Wow, das hört sich ja mal unheimlich interessant an! Ich habe schon eine Menge von Juli Zeh gehört – „Nullzeit“ habe ich damit auch noch im Kopf – und jetzt habe ich umso mehr Grund endlich einmal nach ihren Büchern zu greifen.

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    1. „Nullzeit“ war der Wahnsinn!
      Mein Chef und ich sind uns um Lager fast an die Gurgel gegangen, weil wir uns so gestritten haben, welche Sichtweise der Geschichte die Wahrheit war. 😂
      So haben wir uns nicht mehr in die Wolle gekriegt, seit er die Neuübersetzungen von Bulgakow besser fand als die alten! 😂
      #Buchhändlerstreitereien

      Gefällt 1 Person

    1. Hmmm… Ist schon fast wieder ein Jahr her… Ich schau mal, ob ichs noch zusammenbringe…
      Das Geschäftsmodell der Brücke ist ja mehr als nur fragwürdig, trotzdem kann man die Argumentation irgendwie ein Stück weit nachvollziehen…
      Am Ende schicken sie aber dann ihre drei Anwärter auf diese Selbstmordmission, bei der es eigentlich mehr oder weniger nur darum geht, ihr Monopol zu halten und die Konkurrenz auszuschalten. Dabei hätten sie zwar die Möglichkeit, die Regierung, die sie nicht wollen, gleich mit loszuwerden, entscheiden sich aber dagegen, um den Bürgern die Chance zu geben, es bei der nächsten Wahl besser zu machen.
      Allerdings kann man da auch viele andere Möglichkeiten hineininterpretieren, da raucht einem schnell der Kopf. So offene Enden kommen ja aber meistens nicht besonders gut an… 😉 Ich finde es immer ganz spannend noch ein bißchen zu grübeln.

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      1. Ach… ich wollte noch antworten 🙂 Dass sie mit diesem Attentat ihre Konkurrenz ausschalten wollen, so hab ich das noch gar nicht gesehen. Erscheint mir jetzt auch sehr logisch! Danke 😉

        Aber speziell… der letzte Satz nahm Bezug auf die Katze, die Julietta totgeschlagen hat… und das hatte ich nicht verstanden. Britta dachte an die Katze und lächelte. Irgendwie so war der letzte Satz…

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      2. So… Das musste ich jetzt auch nochmal nachlesen. War ja echt schon eine Weile her, aber Gottseidank kann ich mir immer relativ gut merken, wo was steht. 😅
        Als Julietta die Katze tötet tut sie sie das um Britta zu beweisen, daß sie (also Britta) noch richtig von falsch unterscheiden kann.
        Vermutlich wird die Katze am Schluß nochmal erwähnt um anzudeuten, daß Britta – zumindest für sich – das richtige getan hat.

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